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Die fast perfekte Welt der Pauline
Die fast perfekte Welt der Pauline
© Neue Visionen

Kritik: Die fast perfekte Welt der Pauline (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "Die fast perfekte Welt der Pauline" liefert die Französin Marie Belhomme ihr Filmdebüt ab. Für ihre romantische Tragikomödie schrieb sie selbst auch das Drehbuch, ein Metier, das ihr liegt. Denn Belhomme war bereits in den letzten Jahren vor allem als Drehbuchautorin tätig. Für die Hauptrolle besetzte sie die 45-jährige Pariserin Isabelle Carré, die als 17-jährige in dem französischen Liebesfilm "Milch und Schokolade" (1989) ihr Filmdebüt gab. In Deutschland kennt man sie vor allem aus dem Francois-Ozon--Film "Rückkehr ans Meer" (2009) und der Liebeskomödie "Die anonymen Romantiker" (2011). Der hiesige Verleih des Films orientierte sich beim deutschen Titel an den Welterfolg "Die fabelhafte Welt der Amélie", in dem ebenfalls eine emotionale Träumerin im Zentrum der Handlung steht.

Der leichte, unaufdringliche und beschwingte Film ist ganz und gar zugeschnitten auf die famose Hauptdarstellerin Isabelle Carré, die sich als Idealbesetzung für die schusselige, von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpernde Pauline erweist. Obwohl sie mit ihrem Verhalten immer wieder auch über das Ziel hinausschießt und die Grenzen des eigentlich Nötigen überschreitet, hat sie die Sympathien des Zuschauers von Beginn an auf ihrer Seite. Carré spielt ihre Pauline aufrichtig und unter einem enormen emotionalen Einsatz des darstellerisch Möglichen sowie einer leichten Tendenz zum Überkandidelten und Hyperaktiven. Pauline macht sich in ihren Kostümen (vom Darth Vader- übers Bananen- bis hin zum Bären-Outfit), auf Kinderfeiern und in Altenheimen zum Affen, doch damit kommt sie zurecht.

Weniger kommt sie mit der Tatsache des Alleinseins klar, vor allem in den eigenen vier Wänden überkommt sie immer wieder eine melancholische Schwermut. Pauline ist so verplant, dass sie ab und zu in ihren lustigen Kostümen einschläft und einen Mann, den sie eigentlich nur nach dem Weg fragen will, schon mal derart erschreckt, dass dieser ins Koma fällt. Nachdem sie sich im Anschluss aus dem Staub machte, überkommt die gutmütige aber unbeholfene Pauline das schlechte Gewissen. Sie besucht ihr "Opfer" in der Klinik und baut allmählich eine emotionale Bindung zu Fabrice auf, mehr noch: sie entdeckt in dem "schlafenden" Fabrice einen Seelenverwandten. Dies sorgt schließlich auch dafür, dass sie immer mehr dessen (berufliche wie privaten) Alltags-Pflichten wahrnimmt und schließlich sogar die Fürsorge für dessen Hund und Sohn übernimmt.

Ihre (sympathische) Tollpatschigkeit erweist sich dabei als Dauerbegleiter, was sich u.a. in der köstlichen Szene zeigt, in der sie zum ersten Mal dessen Wohnung betritt. Auf locker-leichte Art und mit einer enormen inszenatorischen und dramaturgischen Stilsicherheit, bewegt sich Regisseurin Belhomme im sicheren Terrain der gefühlvollen Tragikomödie, die auf ausgewogene Art und Weise, komische mit nachdenklichen Momenten und Szenen vermengt.

Kritik: Erfrischende, gekonnt zwischen Witz und Nachdenklichkeit changierende Tragikomödie mit einer herausragenden Hauptdarstellerin.





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