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Straßensamurai
Straßensamurai
© Piffl Medien

Kritik: Straßensamurai (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Titel und die markante Schwarz-Weiß-Ästhetik von Samer Halabi Cabezons "Straßensamurai" suggerieren zwar mit großer Entschiedenheit ein raues Sozialdrama, das von martialischen Auseinandersetzungen und einem Ehrenkodex abseits des Mainstreams berichtet, aber führen dabei letztlich in die Irre. Ein wenig mag das daran liegen, dass der Regisseur und Drehbuchautor selber nicht immer ganz zu wissen scheint, wovon sein Dokumentarfilm erzählt, und bisweilen gegen seine Protagonisten und deren Geschichten aninszeniert.

Die Türsteher aus der linken Szene Berlins beschwören teilweise zwar die Mythen, die Cabezon dankbar aufgreift, wenn sie von antikapitalistischen Werten, vom Spaß an der Gewalt und der archaischen Kraft ihres Berufs sprechen. Mit zunehmender Laufzeit werden diese Klischees um politische Resistenz und gesellschaftliche Gegenentwürfe allerdings entkräftet und es offenbaren sich die doch recht konservativen Sehnsüchte der Figuren, die um Begriffe wie Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit und Stabilität kreisen. Der Kampfsportler Oli trägt da etwa neben seinem Messer auch stets ein Handbuch zu rechtlichen Fragen mit sich und ist sichtlich froh, dass er einen gut bezahlten Job an der Sicherheitsakademie Berlin ergattert hat.

"Dozent für den Bereich Personenschutzfachkunde" klingt allerdings natürlich nicht so knackig wie "Straßensamurai" und so gibt sich Cabezons kurzweilig inszenierter Dokumentarfilm oft lieber einer simplen Jungsfantasie hin als ernstzunehmende Schlüsse aus den widersprüchlichen Aussagen seiner Protagonisten zu ziehen. Das ist besonders bedauernswert, da "Straßensamurai" nicht bloß in künstlerischer Hinsicht vielversprechend ist, sondern zahlreiche interessante Ansätze für ein tieferes Verständnis des Türsteher-Daseins bietet. Die Oberflächlichkeit der Betrachtungen und so manche Redundanz nehmen dem Film so einiges an Faszination, über die er gewiss verfügt.

Fazit: Der kurzweilige Dokumentarfilm porträtiert fünf Türsteher bei ihrer Arbeit und weiß dabei durchaus zu faszinieren. Es bleibt jedoch allzu oft bei gelungenen Ansätzen, denen nicht weiter nachgegangen wird. Bisweilen scheint der Regisseur sogar gegen die Erzählungen seiner Protagonisten anzuinszenieren und deren komplexe Geschichten zu einer simplen Jungsfantasie zu verkürzen.




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