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Eric Clapton: Live at The Royal Albert Hall
Eric Clapton: Live at The Royal Albert Hall
© Arts Alliance © ericclaptonfilm.com

Kritik: Eric Clapton: Live at The Royal Albert Hall (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Eric Clapton ist ein Mann der Superlative: er spielte so oft wie kein anderer in der berühmten Londoner Konzerthalle Royal Albert Hall (unfassbare 200mal), ist dreifaches Mitglied der Rock'n'Roll Hall of Fame, verkaufte etwa so viele Platten wie die Rolling Stones und wird in jeglichen Listen der wichtigsten und einflussreichsten Bluesmusiker und Gitarristen stets auf den vorderen Rängen geführt. In den späten 60er- und frühen 70er-Jahren mischte Clapton mit seinen Bands Cream, Blind Faith und Derek and the Dominos die internationale Musikszene auf, bevor er ab 1971 seine erfolgreiche Solokarriere startete, die voller großer Hits war. Einige ausgewählte davon präsentierte Clapton bei einem der Konzerte seiner Tour zum 70.-Geburtstag, das als Konzertfilm nun auch in ausgewählten Kinos des Landes gezeigt wird.

Einen umfassenden Querschnitt aus der fast 50-jährigen Musikkarriere und dem kompletten musikalischen Oeuvre Claptons bietet das Konzert, von Songs aus der Blind Faith- und der Dominos-Phase wie "Can't find my way home" und "Layla" über - für Claptons Werdegang und Inspiration wegweisende - Klassiker des Blues (z.B. "Rock me baby" von B.B. King oder "Crossroad Blues" von Robert Johnson) bis hin zu einigen der bekanntesten und beliebtesten Stücke von ihm selbst: "Tears in heaven" oder "Wonderful tonight" etwa. Clapton ist an jenem Abend in Topform, leistet sich keinen Aussetzer und zeigt trotz seines hohen Alters zu keiner Zeit Abnutzungs- oder Ermüdungserscheinungen. Begleitet wird er von einer gut aufgelegten Band, bestehend aus erstklassigen Musikern wie z.B. Steve Gadd am Schlagzeug (u.a. bereits für Paul McCartney oder Peter Gabriel an den Drums) oder Chris Stainton (Joe Cocker, The Who u.a.) an den Keyboards.

Clapton und seine Bands genießen es sichtlich, die Songs mit langen Instrumentalteilen oft zu bis zu sechsminütigen, kleinen Epen aufzublähen, was die lange Spieldauer von über 105 Minuten bei nur 17 präsentierten Stücken erklärt. Oft spielt Clapton seine ausgiebigen - früher von ihm oft verschmähten - Soli, während die Kamera dabei genüsslich ganz nah an das Geburtstagskind zoomt und wahlweise die allseits bekannten Gesichtsverrenkungen vom tiefenentspannten Clapton oder seine über die Saiten der Gitarre geschmeidig gleitenden Finger groß ins Bild und damit ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt.

Am besten kommen beim Publikum freilich die unvergänglichen Klassiker und kommerziell größten Hits an, vor allem auch der Bob-Marley-Song "I shot the sheriff", den Clapton 1974 zum Welthit machte - und damit auch mitverantwortlich war, dass die Reggae-Musik und ihre Künstler weiter ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückten. Die Band präsentiert diesen Song ebenso wie J. J. Cales Drogenabgesang "Cocaine" in den ganz eigenen, weltbekannten Clapton-Versionen, nur verlängert die Band die Songs eben auf etwa sieben Minuten.

Weitere magische Momente: Der Überhit "Layla" und die für seinen vierjährigen Sohn Conor geschriebene, intensive Ballade "Tears in heaven", die Clapton wie in Trance und in sich gekehrt im Sitzen präsentiert. Conor starb 1991 nach einem Sturz aus dem 53. Stock eines Hochhauses in New York. Das große Drama im Leben des Eric Clapton, das diesen berührenden Song mit verursachte. Voller berührender, ergreifender musikalischer Momente ist der komplette Abend, der den weißen Meister der Bluesgitarre in seinem Element und in Höchstform zeigt.

Fazit: Eric Clapton zeigt sich bei diesem Konzert im Rahmen seiner Tour zum 70. Geburtstag in musikalischer Topform und hat eine ausgewogene, alle Karrierephasen berücksichtigende Songauswahl im Gepäck.




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