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Jacques - Entdecker der Ozeane
Jacques - Entdecker der Ozeane
© DCM GmbH

Kritik: Jacques - Entdecker der Ozeane (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Jacques – Entdecker der Ozeane" liefert der Regisseur Jérôme Salle ("Zulu") eine filmische Biografie des französischen Meeresforschers und Filmemachers Jacques-Yves Cousteau (1910-1997). Das Drehbuch, welches Salle zusammen mit Laurent Turner verfasste, basiert auf den Büchern von Jean-Michel Cousteau (des ersten Sohnes von Jacques-Yves) und Albert Falco (eines Crew-Mitglieds des Forschungsschiffes Calypso). Das Werk legt seinen Schwerpunkt nicht auf die beruflichen Anfänge des Titelhelden und dessen Pioniertaten zu jener Zeit, sondern auf die Versuche des Franzosen, an die frühen Erfolge anzuknüpfen. Ferner steht das diffizile Verhältnis zwischen Jacques-Yves und dessen Sohn Philippe im Zentrum. Der 1940 geborene Philippe starb im Jahre 1979 bei einem Flugzeugunfall – was der Film in einer kurzen, vorgreifenden Eröffnungssequenz zeigt, ehe die Handlung in den 1940er Jahren einsetzt.

Zuweilen erschwert die gewählte Erzählweise den emotionalen Mitvollzug. Da die Vorgeschichte der Figuren nur in Andeutungen in das dargebotene Geschehen einfließt, ist es zunächst kaum möglich, einen Zugang zur Cousteau-Familie zu finden. Spannung vermag der Film erst nach einem Zeitsprung in die 1960er Jahre zu erzeugen, wenn er sich intensiver mit den Problemen der Vater-Sohn-Beziehung befasst. In seinem dramaturgischen Vorgehen bleibt "Jacques – Entdecker der Ozeane" jedoch auch weiterhin allzu hastig – Zerwürfnisse und Versöhnungen folgen zu schnell aufeinander, um sie jeweils als bedeutsam wahrnehmen zu können. Gleiches gilt für die Glücks- und Unglücksmomente in der Ehe zwischen Jacques-Yves und Simone sowie für das Aufblühen der Liebe zwischen Philippe und dessen späterer Gattin Jan. Die schauspielerischen Leistungen sind indes durchweg solide. Lambert Wilson verleiht dem Hauptpart das erforderliche Charisma, überzeugt aber auch gerade in den Passagen, in welchen Jacques-Yves nicht nur als Meister der Meereskunde in Szene gesetzt wird, sondern zugleich als Geschäftsmann, der auf Deals mit Sponsoren angewiesen ist, sowie als durchaus ambivalente Privatperson. Ebenso verfügt Pierre Niney ("Frantz") als Philippe über eine beachtliche Präsenz.

Darüber hinaus bleiben vor allem etliche Bilder und Klänge in Erinnerung: Salle und sein Kameramann Matias Boucard warten im Laufe des rund zweistündigen Werks mit zahlreichen eindrücklichen Bildern auf – so etwa als Philippe und Albert sich unter Wasser begeben, um Haie zu filmen, von denen sie plötzlich umzingelt sind. Der Score von Alexandre Desplat ist – wie man es von dem vielfach ausgezeichneten Komponisten kennt – äußerst gelungen und wuchtig.

Fazit: Ein handwerklich gut gemachtes und stimmig besetztes Biopic, das erzählerisch zu sehr in Eile ist, um sein Publikum wirklich mitreißen zu können.




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