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Capital C
Capital C
© farbfilm verleih

Kritik: Capital C (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die relativ neue Finanzierungsmethode des Crowdfunding wird immer beliebter und ermöglicht die Entstehung einer ungeahnten Vielzahl kreativer Nischenprodukte. Der Wirtschaftsexperte Eric von Hippel vom Massachussetts Institute of Technology stellt sogar fest: "Die Crowd bringt uns den größten Paradigmenwechsel seit der Industriellen Revolution". Timon Birkhofer und Jørg M. Kundinger fanden, dass es Zeit wurde für einen ersten Dokumentarfilm über das Crowdfunding. Passend zum Thema realisierten sie ihren Debütfilm unter anderem auch mit Hilfe einer Internet-Kampagne, die ihnen 586 Unterstützer aus 24 Ländern einbrachte.

Neckische gestrickte Flaschenüberzieher, die Weiterentwicklung eines Computerspiels aus einer anderen Epoche, mit feinen Ornamenten geschmückte Spielkarten? Firmen, Verlage, Geschäftsleute für solche Ideen zu begeistern, wäre wohl ziemlich schwierig. Aber übers Internet gelingt es den drei Kreativen, die hinter diesen Ideen stehen, eine zahlungswillige Unterstützergemeinde zu rekrutieren. Als Zach Crain, Jackson Robinson und Brian Fargo erfahren, dass es genügend Menschen gibt, die genau ihre Produkte wollen, reagieren sie zunächst euphorisch. Die Langzeitbeobachtung aber fördert zutage, dass die konkrete Produktion deswegen noch lange kein Kinderspiel ist. Die Kreativen fühlen eine starke Verantwortung. Was sie der Community versprochen haben, wird zumindest in moralischer Hinsicht zur Bewährungsprobe. Brian Fargo und seine Crew machen den gesamten Prozess der Spielentwicklung transparent, stellen Zwischenergebnisse ins Netz und geben sie zur Diskussion frei. Diese Offenheit ist für sie ungewohnt, die Rückmeldungen der Community erweisen sich als besondere, permanente Herausforderung. Allein in seinem Elfenbeinturm bleibt der Künstler bei dieser Finanzierungsmethode nicht.

Die drei Produktentwickler werden als Menschen sichtbar und ihre Arbeit auch als emotionaler Prozess – ein ständiger Wechsel von Freude, Durchhaltewillen, Zweifel und Ängsten. Diese Art der Porträtierung spiegelt die Transparenz, die zum Crowdfunding-Dialog gehört. Finanziert werden Ideen und Ideale, das Ganze hat mehr mit Leidenschaft zu tun, als mit kühler Profitorientierung. Weniger ergiebig sind die viel zu zahlreichen und kurzen Experten-Statements, die die Filmemacher wie zur Kommentierung der drei Beispiele dazwischen schneiden. Insgesamt aber ist dies ein lohnender, sehr informativer und aufschlussreicher Film über Kreative, die das Publikum an ihren Erfahrungen mit dem Crowdfunding teilhaben lassen.

Fazit: Der aufschlussreiche Dokumentarfilm zeigt beispielhaft die Chancen und Spielregeln des Crowdfunding auf. Das gelingt ihm sehr anschaulich, indem er über einen längeren Zeitraum drei kreative Produktentwickler, die diesen Finanzierungsweg erproben, durch Höhen und Tiefen geschäftlicher, aber auch emotionaler Natur begleitet.




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