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Kritik: Chevalier (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Neben Yorgos Lanthimos, dessen Filme "Dogtooth" (2009) und "Alpen" (2011) sie produzierte, zählt Athina Rachel Tsangari wohl zu den profiliertesten Filmemachern des Neuen Griechischen Kinos. Mit dem Drama "Attenberg" gelang der Regisseurin und Drehbuchautorin 2010 der internationale Durchbruch und außerdem das Kunststück, künstlerischen Anspruch auf bestechende Weise mit gesellschaftlichen Themen zu verbinden – ohne dabei weder ins Thesenhafte noch in plakatives Relevanzkino abzudriften.

Mit "Chevalier" bietet Tsangari nun erneut einen entlarvenden Blick auf soziale, dabei nur allzu menschliche Missstände. Wie auch schon in "Attenberg" ist das wieder einmal anspielungsreich inszeniert und stellt seine Gemachtheit offen aus. "Chevalier" wirkt alleine schon durch seinen beschränkten Schauplatz wie eine künstliche, im Labor geschaffene Situation, die die Filmemacherin nutzt, um im kleinen Rahmen große Sujets heraufzubeschwören. Im Zentrum stehen dabei im Gegensatz zu den weiblichen Heldinnen von "Attenberg" eine Reihe von männlichen Figuren sowie deren Auseinandersetzung mit der eigenen Geschlechtlichkeit.

Auch der Tonfall ist diesmal ein anderer: Statt anhand dramatischer Gesten und mit angemessenem Ernst erzählt Tsangari vor allem zu Beginn mit beschwingter Ironie und witzigen Spitzen von den Nöten ihrer Helden. Das ist mitunter zwar etwas eintönig und nicht immer subtil, aber unter anderem dank der hervorragenden Besetzung sowie Christos Karamanis' Bildgestaltung sehenswert. Spätestens, wenn sich der Konflikt zwischen archaischem Machismus und modernen Forderungen an Männlichkeit immer mehr zuspitzt und die Groteske galliger wird, sind die kleinen Schwächen dieser Komödie schnell vergessen.

Fazit: Athina Rachel Tsangari beginnt ihre Beobachtungen über Männer in der Krise als harmlos-ironische Komödie, die sich jedoch bald zu einer galligen Groteske zuspitzt. Die anspielungsreiche Inszenierung, starke Darsteller sowie die gute Kameraarbeit machen diesen griechischen Film dabei trotz einiger Schwächen absolut sehenswert.




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