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Gayby Baby
Gayby Baby
© Rise and Shine Cinema

Kritik: Gayby Baby (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Diskussion um die Gleichstellung Homosexueller wird in Australien wie in Deutschland mit denselben Argumenten geführt. Beim Thema Elternschaft bekommen die Betroffenen gern zu hören, dass den Kindern bei gleichgeschlechtlichen Partnern ein Elternteil, also eine Mutter- oder Vaterfigur fehle. Auch Regisseurin Maya Newell stellt ihrem Dokumentarfilm "Gayby Baby" dieses Argument voran. Zu einem langen Schwenk über Familienfotos ist ein konservatives Stimmengewirr aus dem Off zu hören. Die Bilder "klassischer" Familien münden in ein Foto zweier Mütter mit ihren Kindern, wie sich auch Newells Film in den folgenden 85 Minuten anschickt, die Argumente der konservativen Kräfte zu entkräften.

Newell, die auch für die Kameraarbeit verantwortlich zeichnet, rückt nah an die vier porträtierten Familien heran, legt ihren Fokus jedoch ganz klar auf die Kinder. Durch diesen Ansatz kommen die Probleme, Sorgen und Nöte der Eltern fast ausschließlich in Gesprächen und Diskussionen mit ihrem Nachwuchs zum Ausdruck. Als erzählerischer Spannungsbogen dienen Newell Prüfungen, die die vier Kids im Verlauf des Films zu bestehen haben. Dazu äußern sie ihre Gedanken vor der Kamera und aus dem Off.

Newell, selbst Tochter zweier Mütter, zeigt keine Bilderbuchfamilien. Ihre jungen Protagonisten haben mit dem Erwachsenwerden ebenso zu kämpfen wie mit den Erwachsenen selbst, die ihre Kinder nicht nur fördern, sondern auch fordern und damit ab und an schlicht überfordert sind. Ganz normale Familien also. Wieso sollte es auch anders sein? Hier gelangt "Gaby Baby" zu keiner neuen Erkenntnis, angesichts konservativer Stimmen, die Homosexuellen diese Normalität weiterhin absprechen, allerdings zu einer Erkenntnis, die auch im 21. Jahrhundert immer noch dringend notwendig erscheint.

"Gaby Baby" zeigt erstaunlich reife Kids, was nicht zuletzt daran liegt, dass sich die Elf- und Zwölfjährigen immer wieder außerhalb ihrer Familien für ihre Eltern rechtfertigen müssen. Diesen starken kleinen Persönlichkeiten macht nicht die Sexualität ihrer Eltern zu schaffen, sondern die Ablehnung, auf die ihre Eltern aufgrund ihrer Sexualität in großen Teilen der Gesellschaft treffen. Hier sollten sich konservative Kritiker ein Beispiel an den im Film porträtierten Kindern nehmen. Die kommen mitunter zu weitaus klügeren Schlüssen als die Erwachsenen. So reflektiert die zwölfjährige Ebony ebenso schlicht wie treffend: "Wer immer dich großzieht und zu dem macht, der du heute bist, ist deine Familie."

Fazit: "Gayby Baby" begleitet vier Kinder gleichgeschlechtlicher Paare und kommt zu dem simplen Schluss, dass deren Familienleben ebenso normal, banal und liebevoll ist wie das anderer Familien. Keine neue, aber eine notwendige Erkenntnis. Konservativen Gemütern sei der Kinobesuch dringend empfohlen.





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