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Kritik: Der Nachtmahr (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Selbst wer sich vom Deutschen Kino nicht sonderlich verwöhnt fühlt, darf von Zeit zu Zeit immer mal wieder auf eine äußerst positive Überraschung hoffen. Denn besonders was Genrewerke aus den Bereichen Horror und Thriller angeht, gelten deutsche Filme zwar nicht als maßgebend, aber dennoch haben zahlreiche Produktionen der letzten Jahre gezeigt, dass es auch anders geht: Man denke nur an Maximilian Erlenweins "Stereo" (2014) oder Till Kleinerts "Der Samurai" (2014). Mit "Der Nachtmahr" fügt der Drehbuchautor und Regisseur Akiz (auch bekannt als Achim Bornhak) dieser Reihe von gelungenen Genrefilmen nun einen weiteren Beitrag hinzu.

Das Grauen vermischt sich in "Der Nachtmahr" dabei mit einem Coming-of-Age-Drama, eine ebenso erprobte wie stimmige Kombination, wie ein Blick auf die Geschichte des Horrorfilms offenbart. Nicht erst seit der Werwolf-Komödie "Ginger Snaps" (2000) dienen allerlei Monster schließlich als Metapher für ganz menschliche Phänomene. In Akiz' Horrorthriller ist es jedoch keines der klassischen Filmmonstren, das das Pubertieren der Protagonistin verkörpert, sondern eine vom Filmemacher persönlich geschaffene Kreatur. Dieses Mischwesen aus Fötus und Gnom ist sicherlich der heimliche Star des Films und lässt an unheimliche Geschöpfe wie das Baby aus David Lynchs "Eraserhead" (1977) oder das Tentakelmonster aus Andrzej Żuławskis "Possession" (1981) denken.

Mit diesen Kollegen verbindet Akiz auch der kunstvolle Ansatz, der Genrekonventionen nicht bloß erfüllen will, sondern lustvoll mit diesen spielt. So findet "Der Nachtmahr" zwischen Stroboskopeffekten und verstörenden Sounds einerseits zu ganz eigenen Bilderwelten und Rhythmen und bleibt andererseits in seiner Verbindung von Kunst und Kommerz angenehm ambivalent. Mitunter ist die Geschichte in ihrer Entwicklung zwar etwas holprig geraten und stereotype Nebenfiguren trüben das Vergnügen ein wenig. Aber darüber tröstet nicht nur die treibende Inszenierung mühelos hinweg, sondern vor allem die kraftvolle Performance der Hauptdarstellerin Carolyn Genzkow.

Fazit: Diese treibend inszenierte Verbindung aus Horrorthriller und Coming-of-Age-Drama besticht unter anderem durch die starke Regie, eine kraftvoll aufspielende Hauptdarstellerin und ein bizarres Monster als heimlichen Star. Kleinere Schwächen wie stereotype Nebenfiguren sind angesichts des gelungenen Gesamteindrucks und faszinierender Bilderwelten leicht zu verschmerzen.





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