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Kundschafter des Friedens
Kundschafter des Friedens
© Majestic Filmverleih GmbH

Kritik: Kundschafter des Friedens (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Eine Agentenkomödie aus Deutschland? Das klingt wie ein schlechter Scherz. Schließlich ist die hiesige Filmindustrie weder für spannende Spionagefilme noch für feinen Humor bekannt. Regisseur Robert Thalheim ("Am Ende kommen Touristen") beweist das Gegenteil und zeigt gleich in der Titelsequenz, in welche Richtung "Kundschafter des Friedens" steuert. Statt leichtbekleideten Schönheiten, die zu einem pompösen Popsong wie beim Briten mit der Doppelnull ihre Hüften schwingen, hetzt Jochen Falk (Henry Hübchen) zu Retro-Funk durch bunte Split Screens. Thalheims ehemaliger Spitzenspion und seine Kollegen sind im besten Sinne alte Schule.

Auch im digitalen Zeitalter setzen die rüstigen Rentner lieber auf analoge Handarbeit, was zwangsläufig zu Konflikten mit ihren jüngeren Vorgesetzten und zu manch aberwitziger Panne führt. Hier prallen nicht nur zwei Generationen, sondern auch zwei Systeme aufeinander. Hier arbeiten sich Alt und Jung, Ost und West genüsslich aneinander ab. Dass das so prächtig funktioniert, liegt nicht nur an der Spielfreude des wunderbar aufgelegten und perfekt zusammengestellten Ensembles, sondern auch daran, dass das Drehbuch von Robert Tahlheim und Oliver Ziegenbalk ("Friendship!", "Russendisko") keinerlei Partei ergreift. Ohne verklärende Ostalgie bekommen mal die trotzigen Ossis, mal die eingebildeten Wessis Oberwasser oder gehen mit ihren Methoden gehörig baden.

"Kundschafter des Friedens" ist dabei nicht nur komisch, sondern sieht auch noch fantastisch aus. Die schroffe Schönheit Gran Canarias diente als Kulisse für die erfundene Republik Katschekistan. Vom detailverliebten Szenenbild und dessen warmer Ausleuchtung über die swingende Musik bis zu Kamera und Schnitt wurde hier ganze Arbeit geleistet, um echtes Agentenfeeling aufkommen zu lassen. Robert Thalheim erzählt vor dieser herrlichen Landschaft eine mal absurde, mal anrührende, stets amüsante Wiedervereingungsmär, die die deutsch-deutschen Verhältnisse jederzeit miterzählt.

Fazit: "Kundschafter des Friedens" ist eine gelungene Agentenkomödie, die nicht nur prächtig unterhält, sondern auch noch umwerfend aussieht. Genrekino dieser Art darf der deutsche Film gern häufiger abliefern.





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