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Above and Below
Above and Below
© dejavu filmverleih

Kritik: Above and Below (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Debütfilm "Above and Below" von Nicolas Steiner ist gleichzeitig auch der Abschlussfilm seines Regie-Studiums an der Filmakademie Baden-Württemberg. Auf den Weg in die große weite Welt begab sich Steiner – der im Kontrast dazu 1984 in einem kleinen Schweizer Dorf im Wallis geboren wurde - für seinen ersten Kinofilm. Er reiste in die Bundesstaaten Kalifornien, Nevada und Utah. Steiner zeigte sich ungemein fasziniert von den Porträtierten, denen er - laut eigener Aussage - in ihren ungewohnten Lebensräumen "Stimme und Gesicht" geben wollte.

Gemeinsam ist den Porträtierten in "Above and Below" der unterschiedliche Blick auf das Leben und die Welt, und das was wirklich zählt. Besonders spannend und eindrücklich gestalten sich die Szenen, die das obdachlose Paar Cindy und Rick bei ihrem täglichen Überlebenskampf auf engstem Raum zeigen, dabei aber zu keinem Zeitpunkt unzufrieden oder unglücklich wirken. Wir werden Zeuge was es heißt, im weit verzweigten, dunklen Kanalsystem unter den erleuchteten Straßen der Glitzer-Metropole Körperpflege und –hygiene zu betreiben, auf Lebensmittel-Suche zu gehen und wie sich das Leben "below" auf eine Partnerschaft und Beziehungs-Intimtäten auswirkt. Und das alles, in ständiger Anwesenheit von Ratten, Lärm, Schmutz und anderen "Tücken" der Kanalisation.

Die große Stärke des Films ist die intime Nähe, die die Protagonisten dem jungen Filmemacher gewähren und die sich auch auf den Betrachter des Films überträgt. Vertrauensvoll, offen und ohne Scheu vor der Kamera gewähren sie Steiner und dem Zuschauer einen intensiven und ausgiebigen Einblick in ihre abgeschottete Welt und Lebensrealität. Diese spielt sich entweder tief unter der Erde oder in der Weite der Steppe ab. So entstehen behutsame Porträts dreier Aussätziger, die bewusst das Leben in Einsamkeit gewählt haben.

Regisseur Steiner findet für seinen ersten Langfilm eine melancholische, bedächtige Bildsprache voller Gegensätze. Diese manifestieren sich vor allem auch in der ausgewogenen Schnittarbeit. Geschickt montiert er Bilder von der glitzernd-hellen Edel-Metropole Las Vegas unmittelbar an Szenen aus der tiefsten Dunkel- und Abgeschiedenheit unter den Straßen, der Heimat von Cindy und Rick. Durch die verhaltene sowie milde Erzählweise und Bildsprache wird der Zuschauer gezwungen, sich mit Geduld und Ausdauer auf das Gezeigte einzulassen, zumal der Film für eine Dokumentation mit 120 Minuten Laufzeit fast episch anmutet.

Fazit: Auf eine spannende Reise weit weg von Menschenmassen und zivilisierter Welt begibt sich Debütfilmer Nicolas Steiner in seiner erhellenden filmischen Abschlussarbeit "Above and Below". Man muss für die zweistündige Doku über Menschen, die in der Kanalisation und der Einsamkeit der Wüste leben, Geduld und Ausdauer mitbringen. Am Ende wird man aber mit spannenden Lebensrealitäten und einer sinnlichen Bildkomposition sowie ruhigen Erzählweise belohnt.




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