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Kritik: Much Loved (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Drama "Much Loved" stammt von Marokkos angesehenen Filmemacher Nabil Ayouch, der seit seinem Roadmovie "Mektoub" (1997) ein Aushängeschild der nationalen Filmindustrie darstellt. Mit diesem neuen Film ist er in seiner Heimat jedoch in Ungnade gefallen: "Much Loved" wurde in Marokko mit einem Aufführungsverbot belegt und die Hauptdarstellerin Loubna Abidar ist nach mehreren Morddrohungen inzwischen nach Frankreich ausgewandert. Dieses harte Schicksal ist im Zusammenhang mit einem wiedererstarkenden islamischen Fundamentalismus leider wenig überraschend: So frech und frei, wie in diesem Film sieht man Frauen in der islamischen Welt ansonsten nie.

Ayouch wirft den Zuschauer sofort mit der ersten Szene in eine Welt, die sich selbst ungemein glamourös wähnt, in Wirklichkeit jedoch äußerst ordinär wirkt: die drei Prostituierten sind auf dem Weg zu ihrem nächsten Arbeitseinsatz. Im Auto ihres Chauffeurs Saïd legen sie sich noch die letzte Schminke auf und lästern lautstark und vulgär über ihre Kunden. Auf den ersten Blick wirkt ihr Leben wie eine einzige Party, bei der sie auch noch dafür bezahlt werden, die Nächte hindurch exzessiv zu feiern. Saïd ist richtig lieb und die Arbeitskolleginnen verbindet eine innige Frauenfreundschaft. Doch je länger "Much Loved" läuft, desto weniger Liebe bleibt dabei sichtbar. An der schönen Fassade bröckelt überall der Putz. Was darunter hervorkommt ist oft sehr hässlich.

Geile Freier gieren nach immer jüngeren Fleisch. Die scharfen Göttinnen werden - wenn unwillig - sofort zu wertlosen Huren degradiert. Damit der Rubel rollt, müssen viele Hände konstant geschmiert werden. Auch die Polizei will ihr Stück vom Kuchen und ihre Portion Frischfleisch. Harter Sex, Nötigung und (versuchte) Vergewaltigung gehen nahtlos ineinander über. Disfunktionale und zerbrochene Beziehungen, Verstoßung durch die Familie und allgemeine soziale Ausgrenzung: dieser glitzernde Himmel gleitet nur zu leicht glitschig in eine finstere Hölle ab. Aber trotz allen Zickenterrors und aller Neurosen: am Ende bleibt immer noch die Freundschaft zwischen den Ausgestoßenen. Sie ist echt.

Fazit: Faszinierend, funkelnd und verbal mit Fäkalien um sich werfend präsentiert "Much Loved" einen Blick auf die marokkanische Gesellschaft, wie man ihn sonst nicht kennt und der den Machthabern nicht umsonst ein dicker Dorn im Auge ist.




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