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Die Frau mit der Kamera - Portrait der Fotografin...lmann
Die Frau mit der Kamera - Portrait der Fotografin Abisag Tüllmann
© Film Kino Text © Die FILMAgentinnen

Kritik: Die Frau mit der Kamera - Portrait der Fotografin Abisag Tüllmann (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Menschen auf den Fotos sind einem vertraut. Der Komponist Györgi Ligeti ist auf einem zu sehen, Theatermacher Claus Peymann auf einem anderen. Helmut Kohl lehnt lässig an einem Bücherregal, der junge Joseph Martin Fischer, Joschka genannt, später Bundesminister des Auswärtigen, steht mit verschränkten Armen und einer Zigarette im Mundwinkel ebenso lässig abseits einer Diskussion in einem Hörsaal. Die Frau hinter der Kamera kennen hingegen die wenigsten. Fotos von Kolleginnen zeigen sie am Rand öffentlicher Veranstaltungen: klein und unscheinbar im Hintergrund und dennoch mittendrin im Geschehen. So beschreiben mehrere der Interviewpartner Abisag Tüllmann in der Rückschau. Regisseurin Claudia von Alemann hat der 1996 verstorbenen Fotografin, deren Nachlass, abgesehen von ihrer Theaterfotografie, sich in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz befindet, einen Dokumentarfilm gewidmet.

Alemann beginnt zunächst ganz klassisch. Zu alten Schwarzweißfotos rekapituliert sie aus dem Off Tüllmanns Familiengeschichte. Ihre ruhige Stimme gibt den Rhythmus des Films vor. Längere Zwischentitel, die Tüllmanns berufliche Stationen erläutern, markieren weitere retardierende Momente. Tüllmanns Fotografien montiert Alemann zu Neuer Musik des Komponisten José Luis de Delás. Die Form spiegelt dabei das Wesen der Fotografin, die von ehemaligen Weggefährten als ruhiger Mensch beschrieben wird, der seine Worte wohl überlegt äußert, bevor sich die Zuschauer in Ausschnitten aus Carola Benninghovens Fernsehfilm Die Schönheit des Alltäglichen selbst ein Bild von Tüllmann machen können.

"Die Frau mit der Kamera" ist der Versuch, ein fotografisches Werk und dessen Schöpferin mit filmischen Mitteln zu erfassen. Claudia von Alemanns Wahl der Mittel erinnert dabei jedoch eher an einen Fernseh- denn an einen Kinofilm. Viele der Interviewpartner sind in diesem dokumentarischen Essay reichlich einfallslos in Szene gesetzt. Und auch Tüllmanns Fotografien entfalten auf der großen Leinwand beileibe nicht die Kraft wie in gedruckter Form oder an den Wänden von Ausstellungsräumen.

Fazit: "Die Frau mit der Kamera" ist ein sehr persönlicher Dokumentarfilm über die Fotografin Abisag Tüllmann. Regisseurin Claudia von Alemann gelingt es, aus zahlreichen Fragmenten ein schillerndes Mosaik zusammenzufügen. Die Kraft von Tüllmanns Werk fängt der Film jedoch nicht zur Gänze ein.





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