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Kritik: Schöne Jugend - Hermosa Juventud (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Drama des Regisseurs Jaime Rosales schildert in betont nüchternem Stil, wie die Krise der spanischen Wirtschaft das Leben junger Erwachsener prägt. Natalia und Carlos haben kein festes Einkommen und müssen zuhause bei ihren Müttern wohnen. Wovon andere Menschen in ihrem Alter träumen – Berufstätigkeit, Familiengründung – scheint ihnen verwehrt. Doch Natalia beansprucht Normalität für sich. Sie nimmt ihre ungeplante Mutterschaft an und gibt die Hoffnung auf eine Arbeit nicht auf. Rosales zeigt Menschen im Zustand des Wartens, im Kampf mit Unsicherheit und früher Resignation.

Irgendwie geht es im Leben von Natalia und Carlos nicht voran, der Sprung in ein selbstständiges Dasein ist nicht möglich. Die Tage fließen dahin als Zustand permanenter Bedrückung, während die Selbstzweifel wachsen. Dabei hat gerade Natalia viel Energie und meistert ihre Aufgabe als junge Mutter, trotz der Qual durchwachter Nächte. Aber die Arbeitslosigkeit, die fehlenden Strukturen, an denen sich das Paar entlanghangeln könnte, machen es zu Vagabunden der eigenen Existenz. Jede Chance auf Geld muss ergriffen werden, und sei sie noch so abwegig oder folgenreich. Innere Verwahrlosung droht und der Zustand der Adoleszenz verlängert sich auf unangenehme Weise.

Rosales arbeitet mit Improvisation, ihm ist die größtmögliche Authentizität wichtig. So plätschern denn auch die häuslichen Szenen, die kleinen Alltagsdialoge lose aneinandergereiht dahin. Außer Natalia scheint niemand eine innere Entwicklung zu durchlaufen, und auch ihre bleibt letztlich unklar. Der Auftrag des Lebens an diese jungen Menschen lautet, sich zu arrangieren. Der Stil der Inszenierung spiegelt diese Nüchternheit und das Gefühl der Protagonisten, klein zu sein, indem zum Beispiel häufig ein Teil des Bildes aus einer eintönigen Fläche, etwa einer Wand, besteht. Es gibt keine Musik. Ein Fünftel der Filmlänge besteht aus zwei längeren Sequenzen von Amateuraufnahmen, die die Akteure von sich selbst und den anderen mit Smartphones und ähnlichen Geräten machten. Diese Fotos und Filmchen geben jugendliches Lebensgefühl wieder, spiegeln aber, besonders wenn sie schnell durchgescrollt präsentiert werden, auch eine gewisse Ernüchterung darüber, dass die Bedeutung eines Moments oft nicht über diesen hinausreicht. So bleibt von diesem Film, der selbst zur Geduldsprobe wird, vor allem der Eindruck im Gedächtnis, wie schlecht es der jungen Generation Spaniens geht.

Fazit: Das nüchterne, verhaltene Drama von Jaime Rosales schildert am Beispiel eines jungen Paares, wie sehr das Lebensgefühl der jungen Generation Spaniens von der Wirtschaftskrise beeinträchtigt ist. Das zähe Gewicht des Arbeitslosen-Alltags und seine Unsicherheit spiegeln sich auch im Inszenierungsstil, der aneinanderreiht, ohne zu verdichten. So wird der Film zur verlängerten Momentaufnahme, sehr authentisch, aber in seiner trägen Unbestimmtheit auch herausfordernd.





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