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Kritik: Schwester Weiß (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der zweite Kinofilm von Dennis Todorović ("Sascha") ist ein Drama der leisen Töne, in dem eine Ordensschwester die Hauptrolle spielt. Er ist im Schwäbischen angesiedelt, woher auch der Regisseur selbst stammt, und die Charaktere pflegen den Dialekt in einer auch für Nichtschwaben verständlichen Form. Die Ordensfrau Martha und ihre leibliche Schwester Helene haben sich wegen der Religion entzweit, doch ein schwerer Unfall eröffnet die Chance auf Wiederannäherung. Denn Helene hat nicht nur Tochter und Mann verloren, sondern auch ihr Gedächtnis, und findet Martha auf einmal gar nicht mehr so daneben. Nun liegt es an der großen Schwester, sich des Vertrauens würdig zu erweisen, das ihr die jüngere schenkt.

Doch Marthas innerer Kompass ist durcheinandergeraten. Sie hat ihre kleine Nichte geliebt und zweifelt plötzlich an ihrem Glauben. Umso dringender aber will sie, dass Helene wegen Majas Bestattung die richtige, nämlich die von ihr gewünschte Entscheidung trifft. Das Kammerspiel der Zweierbeziehung wird durch wenige, aber dramaturgisch wirkungsvoll eingesetzte Kontakte erweitert. Martha fühlt sich verunsichert und sucht das Gespräch – in der Beichte, mit Ordensschwestern und im Gebet mit Gott. Hierbei gelingen dem Regisseur sehr intensive und aussagekräftige Szenen, die von Respekt und Sympathie für das klösterliche Milieu zeugen. Wie die Ordensschwestern Martha trösten und ihr helfen wollen, ohne ihr zu nahe zu treten oder die Hierarchie zu missachten, wird mit feinen Anflügen von Humor beobachtet.

Dem verhaltenen Inszenierungsstil passen sich auch die Darsteller mit ihrem recht pragmatischen Spiel an. Vor allem Marthas äußere Nüchternheit bildet einen schönen Kontrast zum dramatischen Gehalt der Geschichte. Die verschneite Landschaft vor den Toren des Klosters und die vielen halbdunklen Aufnahmen verstärken die besinnlich-gedämpfte Stimmung. Der kirchliche Gesang der Schwestern drückt auf berührende Weise Gefühle aus, für die Martha sonst die Worte fehlen. Alles in allem ist Todorović also ein hübscher kleiner Film gelungen, der sich ohne Berührungsängste mit dem Klosterleben befasst.

Fazit: Der zweite Kinofilm des deutschen Regisseurs Dennis Todorović ist ein verhaltenes Drama über eine konflikthafte schwesterliche Beziehung, die nach einem Todesfall eine neue Dynamik entwickelt. Die Zuschauer tauchen mit der Hauptfigur in das klösterliche Leben ein, dessen Rituale die zwischen Kargheit und Gefühl changierende Atmosphäre der Geschichte wirksam betonen.





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