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Grenzenlos
Grenzenlos
© Warner Bros. / Submergence SARL

Kritik: Grenzenlos (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

In jüngerer Vergangenheit widmete sich Regie-Altmeister Wim Wenders ("Paris, Texas") mit Werken wie "Das Salz der Erde" oder "Pina" vor allem dem Dokumentarfilm. Bei "Grenzenlos" handelt es sich um Wenders erste Literaturverfilmung seit langem. Als Vorlage diente ihm der gleichnamige, 2011 veröffentlichte Roman des schottischen Wirtschaftsjournalisten J. M. Ledgard. Wenders und sein Team drehten die 15-Millionen-Dollar-Produktion "Grenzenlos" ab März 2016 in Europa (Frankreich, Deutschland, Spanien, Färöer Inseln) und Afrika. Weltpremiere erlebte der Film im vergangenen Jahr auf dem Filmfest in Toronto. Wie wenige andere Filme von Wenders in den letzten Jahren, spaltet "Grenzenlos" die Kritik – und das nicht zu unrecht.

Denn das Werk erweist sich zunächst einmal als unausgegorener Genre-Brei, der sich zu viel vornimmt und alles auf einmal sein will: philosophischer Diskurs á la Terence Malick, Entführungsstory, Liebesfilm, Spionage-Thriller und Drama mit Öko-Botschaft. Von jedem Genre pickt sich der Film einige Versatzstücke und Erkennungsmerkmale heraus, schafft es dabei aber leider nicht, alle Elemente zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen.

Mit dafür verantwortlich: die beiden dramatischen Handlungsstränge – er in der Gewalt der Terroristen, sie mehrere tausend Meter tief am Grund des Ozeans – wollen schlicht nicht zusammenpassen. Die Message ist klar: James und Danielle befinden sich beide in Extremsituationen, jeder ist mit sich allein. Doch der Vergleich hinkt und die Botschaft wirkt aufgesetzt. Denn es fehlen schlicht die verbindenden Elemente, um die zwei Ausnahmesituationen auch nur ansatzweise miteinander vergleichen zu können. Während James in der Hand der Terroristen um sein Leben bangt und sich dieser Subplot äußerst emotional und dramatisch gibt, versinkt Wenders bei den Unterwasseraufnahmen von Danielle in ihrem U-Boot in hypnotisch-pathetische, dröge Bilderwelten. Zudem unterscheiden sie sich in Sachen Dramaturgie, Inszenierungsstil und Atmosphäre zum Teil erheblich.

Doch nicht alles an "Grenzenlos" ist misslungen. Schauspielerisch etwa überzeugt der Film. Vikander und gerade McAvoy, der seine Figur ebenso lässig-cool wie nuanciert und auch emotional vielschichtig verkörpert, präsentieren sich in guter Form und sie gefallen mit ihren leidenschaftlichen Performances. Wenn die Beiden ihre romantischen Momente auf der Leinwand haben, dann kommt das alles andere als gestellt oder unauthentisch daher, im Gegenteil: in den Liebesszenen stimmt die Chemie und ihr Spiel ist von starker Ausdruckskraft sowie authentischer Hingabe durchzogen.

Fazit: Wenders verfügt in seiner Literaturadaption mit James McAvoy und Alicia Vikander über zwei charismatische, mit Hingabe und Kraft agierende Darsteller, die den Film vor dem Totalausfall retten. Denn abgesehen von schauspielerischer Stärke dominieren in "Grenzenlos" inhaltliche Überfrachtung, zwei nicht miteinander korrespondiere dramatische Handlungsstränge und ärgerliches Pathos.




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