VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Junges Licht
Junges Licht
© Weltkino Filmverleih

Kritik: Junges Licht (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Im Jahr 2004 erschien Ralf Rothmanns Roman "Junges Licht" über einen Bergarbeitersohn und sein schwieriges Erwachsenwerden im Ruhrpott. Die Mischung aus detailreicher Milieuschilderung und einfühlsamen Coming-of-Age-Drama stieß bei Kritikern und Lesern gleichermaßen auf positive Resonanz und so war eine weitere Verarbeitung des Stoffs wohl nur eine Frage der Zeit. Dass sich nun ausgerechnet Adolf Winkelmann für die Verfilmung von "Junges Licht" verantwortlich zeigt, ist dabei durchaus stimmig, wenn man Winkelmanns filmisches Schaffen betrachtet: Mit Spielfilmen wie "Jede Menge Kohle" (1981) oder "Nordkurve" (1993) machte sich der gebürtige Westfale schließlich einen Ruf als Chronist des Ruhrgebiets und bewies ein Talent für realitätsnahe Figuren sowie packend erzählte Geschichten.

Auch in seiner zusammen mit den Drehbuchautoren Nils und Till Beckmann geschaffenen Kinoversion von "Junges Licht" kann Winkelmann seine Stärken ausspielen, ohne dabei auf langweilige Weise routiniert zu wirken. Denn selbst wenn das Drama auf den ersten Blick an typische, gut gemachte Fernsehware erinnert, beschränkt sich "Junges Licht" nicht auf Tugenden wie eine ordentliche Ausstattung und prominente Schauspieler. Mit seinem jugendlichen Protagonisten scheint Winkelmann nämlich zudem den neugierigen Blick auf die Welt zu teilen und so gerät der Plot trotz bekannter Konstanten zu einer angenehm klischeefreien und auch formal überraschenden Erfahrung: Im Wechsel zwischen beinahe quadratischen, bunten Bildern und Schwarzweiß-Aufnahmen im Breitbildformat beschwört "Junges Licht" nicht bloß die Möglichkeiten des Kinos, sondern findet gleichzeitig eine poetische Bildsprache zwischen nüchternem Realismus und wunderbaren Träumereien.

Als ebenso gelungen wie die Inszenierung erweist sich die Besetzung des Films: Neben bekannten Gesichtern wie Charli Hübner, Peter Lohmeyer und Lina Beckmann gelingt es vor allem dem jungen Hauptdarsteller Oscar Brose zu überzeugen. Mit seiner nuancierten Darstellung des pubertierenden Helden trägt Brose die Geschichte über weite Strecken und bildet das emotionale Zentrum von "Junges Licht".

Fazit: Adolf Winkelmann erzählt in "Junges Licht" ebenso packend wie realitätsnah vom Erwachsenwerden im Ruhrpott der 1960er Jahre. Neben der zwischen nüchternem Realismus und poetischen Kinobildern oszillierenden Inszenierung, können dabei vor allem die Schauspieler überzeugen, allen voran der junge Hauptdarsteller Oscar Brose.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.