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FBW-Bewertung: Atomic Blonde (2017)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: David Leitch hat sein Metier als Stuntkoordinator gelernt und mit JOHN WICK einen vor allem auf Heimmedien erfolgreichen Hit des Actionthrillers inszeniert. Mit ATOMIC BLONDE variiert er das Konzept des Berufskillers im Krieg der Gangster, indem er es auf den Krieg der Agenten im Jahr 1989, kurz vor dem Ende des Kalten Krieges und der Maueröffnung anwendet. Wir erleben aus Sicht einer britischen MI6-Agentin (Charlize Theron) in langen Rückblicken, wie sie einen russischen Doppelagenten, der eine Namensliste memorisiert hat, aus Ost- nach Westberlin bringen soll. Unversehens gerät sie zwischen die Fronten in einem Spiel, das auch für die Verantwortlichen nicht mehr durchschaubar ist.
Was nach einem konventionellen dramaturgischen Vorwand für Actionszenen klingt, wird unter Leitchs Regie zu einem durchweg packenden und mitunter schockierend gewalttätigen Kaleidoskop einer Ära der Verunsicherung. Der Regisseur inszeniert die späten 1989er Jahre in Berlin in einer gelegentlich anachronistisch-glamourösen Neuinterpretation als monochrome Post-Punk-Apokalypse. Dabei wird vor allem die zeitgenössische Musik treffend eingesetzt, ob im Original oder neu interpretiert.
Neben den intensiven Darstellerleistungen von Charlize Theron, James McAvoy, John Goodman u. a. brilliert die Graphic-Novel-Adaption ATOMIC BLONDE mit einer souveränen Actionchoreographie, die in Nahkampfszenen und Autoverfolgungsjagden zahlreiche originelle Ideen und neue Bildeindrücke hervorbringt. Die Ambivalenz in der Figurenzeichnung, die bis am Schluss durchgehalten wird, kommt der Spannungsdramaturgie zugute.
ATOMIC BLONDE ist ein packend inszenierter, weiblich zentrierter Actionthriller, der mitüberzeugender Besetzung, eindrucksvoller Actionchoreographie und stringenter Dramaturgie zugleich als Meilenstein des Agentenfilms gelten kann. Zugleich vermittelt er eine interessante Interpretation der Umbruchsphase des Jahres 1989. Die Jury verleiht dem außergewöhnlichen Film daher das Prädikat ?besonders wertvoll?.



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