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Dorf der verlorenen Jugend
Dorf der verlorenen Jugend
© eksystent distribution filmverleih

Kritik: Dorf der verlorenen Jugend (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Basierend auf wahren Begebenheiten erzählt der dänische Regisseur und Drehbuchautor Jeppe Rønde in "Dorf der verlorenen Jugend" von einer Selbstmordserie in der walisischen Stadt Bridgend und setzt dabei ganz auf eine düstere Atmosphäre, statt die Hintergründe seiner Geschichte zu beleuchten. Das gelingt dem Filmemacher anfangs durchaus gut, besonders der bedrohlich dröhnende Soundtrack sowie die stimmungsvolle Bildgestaltung durch Magnus Nordenhof Jønck erweisen sich als effektiv, um selbst im Alltäglichen Gefühle von tiefer Trauer und Verstörung wachzurufen.

Surreale Sequenzen und nüchterne Betrachtungen verbinden sich zu einer Sicht auf die Welt, die ganz von der jugendlichen Protagonistin Sara geprägt wird. Die vor allem aus den Serien "Skins" sowie "Game of Thrones" bekannte Hannah Murray spielt die Heldin mit staunender (und ebenso erstaunlicher) Naivität und dient zu Beginn als Identifikationsfigur, anhand derer man den filmischen Kosmos kennenlernt. Doch rasch löst sich Sara in der verwirrenden Welt von Bridgend auf und wird zu einer ebenso rätselhaften Figur wie die anderen Bewohner des Städtchens.

Rønde scheint mit seinem Film keine Antworten auf die auch in der Realität noch ungeklärte Frage nach den Gründen für die gehäuften Suizide in Bridgend geben zu wollen und belässt es daher allenfalls bei mysteriösen Andeutungen. Darunter leiden allerdings nicht bloß die unglaubwürdigen Figuren, die seltsam vage und ihren Handlungen kaum nachvollziehbar sind, sondern auch der Ton des Films. Der schwankt recht unentschlossen zwischen den Genres Horror, Thriller, Drama und Mystery, ohne dabei jemals einen Nerv zu treffen.

Mit voranschreitender Laufzeit stellt sich die Frage, was "Dorf der verlorenen Jugend" überhaupt darstellen möchte und was er beabsichtigt. Mehr als die banale Erkenntnis, dass der Tod eines Menschen schmerzhaft und schwer zu begreifen ist, bietet der Film nicht. Über die sozialen oder psychologischen Aspekte des Phänomens der Selbstmorde erfährt das Publikum nichts, denn Rønde interessiert sich nicht für Zusammenhänge, sondern lediglich für Oberflächen.

Der Filmemacher muss sich letztlich sogar den Vorwurf gefallen lassen, dass er die Suizide seiner jugendlichen Protagonisten glorifiziert, indem er sie in kunstvolle Bilder packt, die unreflektiert Romantisches mit Apokalyptischem zu einer Teenager-Fantasie kurzschließen. Mit der Realität in Bridgend hat "Dorf der verlorenen Jugend" wenig gemein, das Drama benutzt die wahren Geschehnisse lediglich als Vorwand für unausgegorenen Arthouse-Kitsch.

Fazit: Trotz einer zu vor allem zu Beginn stimmungsvollen Atmosphäre kann das düstere Spielfilmdebüt von Jeppe Rønde nicht überzeugen. Das Drama ist lediglich an Oberflächen interessiert und nutzt die wahren Begebenheiten als Anlass für unglaubwürdigen Arthouse-Kitsch.





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