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Köpek - Geschichten aus Istanbul
Köpek - Geschichten aus Istanbul
© Gmfilms

Kritik: Köpek - Geschichten aus Istanbul (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Köpek ist das türkische Wort für Hund, und von geprügelten Hunden – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn – erzählt Regisseurin und Drehbuchautorin Esen Işık in ihrem ersten langen Spielfilm. Ihre drei Protagonisten sind auf der Suche nach Liebe in einer gefühlskalten Welt. An diesem Tag berühren sich deren Wege kurz, geben ihnen jedoch keine neue Richtung. Wie Millionen andere leben sie in der Millionenmetropole aneinander vorbei.

Es ist diese Beiläufigkeit des Erzählens gepaart mit kraftvollen Darstellern, die "Köpek – Geschichten aus Istanbul" zu einem bewegenden Drama macht. Unaufdringlich bahnt sich Gabriel Sandrus Kamera ihren Weg durch die Straßen, den Figuren stets dicht auf den Fersen, und lässt das Publikum den Herzschlag dieser Stadt spüren. Esen Işıks kluges Drehbuch legt nicht alles offen, vermittelt manch entscheidende Handlung nur indirekt oder erst durch deren Ergebnis.

Ohne es auszusprechen, macht "Köpek" unmissverständlich klar, woran die türkische Gesellschaft krankt: an autoritären, sexuell verunsicherten Männern. Ob Cemos arbeitsloser Vater, der das wenige Geld der Familie in der Kneipe versäuft, oder der Sicherheitsbeamte, der dem Jungen permanent an den Kragen will, ob Hayats Ehemann, den sein verletztes Ehrgefühl in eine Bluttat treibt, oder all die Männer, die Ebru bei ihrem Gang durch die Straßen als Freiwild betrachten – die Gewalt gegen Frauen, Kinder und Homosexuelle ist stets männlich konnotiert und geht von den jüngeren Generationen aus. Sensible Gemüter wie Cemo haben in dieser Machowelt erst dann eine Chance, wenn sie sich ihrer Waffen bedienen.

Esen Işık nähert sich Istanbul von seinen Rändern, zeigt den täglichen Kampf derer, die ein anderes Leben leben wollen oder müssen und dadurch auf der Strecke bleiben. Das unnachgiebige Ankämpfen der Protagonisten gegen diese Zustände macht Mut. Ihr bitteres Ende verklärt aber auch nichts und weist ungewollt auf die Gegenwart voraus. Im Jahr vor dem Putschversuch und Recep Tayyip Erdoğans Vergeltungsmaßnahmen entstanden, ist "Köpek" ein präziser Gradmesser der türkischen Gesellschaft.

Fazit: Mit ihrem ersten abendfüllenden Spielfilm ist Regisseurin und Drehbuchautorin Esen Işık ein einfühlsames Drama über drei Außenseiter einer von Männern dominierten Gesellschaft gelungen. "Köpek – Geschichten aus Istanbul" wirft einen ungeschönten Blick auf die Probleme der Türkei.





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