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Das Floß!
Das Floß!
© Daredo Media GmbH

Kritik: Das Floß! (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der Regisseurin und Drehbuchautorin Julia C. Kaiser und der Produzentin Julia Becker, die auch die weibliche Hauptrolle spielt, schwebte ein Film vor, "der mit möglichst geringem Aufwand, schnell, unkompliziert und direkt entsteht". So steht es im Text ihrer erfolgreichen verlaufenen Crowdfunding-Kampagne. In der Geschichte geht es um ein lesbisches Paar, das getrennt seinen Junggesellinnenabschied feiert und dabei heftig ins Zweifeln gerät, ob der Plan, zu heiraten und eine Familie zu gründen, richtig ist. Der Hauptteil der Handlung spielt im Laufe eines Wochenendes auf einem Floß, auf dem vier Männer mit Katha feiern wollen. Die improvisierten Dialoge lassen das Ensemblestück sehr authentisch wirken, können es aber nicht vor Leerlauf und einer gewissen Amateurhaftigkeit bewahren.

Für beide Frauen verläuft ihr Junggesellinnenabschied nicht so schön, wie erhofft. Katha, die eine Mutterschaft per klinisch durchgeführter Samenspende plant, verdirbt es die Laune, dass Charly ihr ein Wochenende mit dem künftigen Kindesvater zumutet. Aber nun sitzt sie mit ihm und den drei Männern, die ihr nahestehen, auf engstem Raum auf einem Floß. Zwischen Baden, Grillen und Biertrinken schleichen sich auch Langeweile und Ärger ein. Momo ist zwar sympathischer, als Katha dachte, aber das Warten auf das Ende dieser Tour fällt ihr schwer. Hinzu kommt der konventionelle Plot mit dem Paar, das kurz vor der Heirat noch kalte Füße bekommt. Nicht nur Katha trinkt zu viel, auch Jana kann sich auf ihrer Party daheim kaum noch auf den Beinen halten. Während sie mit Katha telefoniert, putzt sie sich auch die Zähne und trinkt Bier. Dabei kommt nicht viel mehr als ein Stammeln heraus. Auf dem Floß bleibt die Stimmung verhalten. Die vier Männer sind Katha gegenüber aufmerksam, üben sich aber in Zurückhaltung. Niemand scheint sich als Stimmungskanone in den Vordergrund spielen zu wollen.

Die beiden Frauen wirken oft kindisch in ihrer Impulsivität und labilen Stimmung. Vielleicht liegt das an einer generellen Ideenlosigkeit in Bezug auf die Rollen und ihre Konflikte. Die Einsamkeit der mecklenburgischen Seenplatte, auf der die Floßfahrt gedreht wurde, strahlt nur teilweise Ruhe aus. Denn die Kamera ist viel in Bewegung, arbeitet mit Unschärfen und schrägen Perspektiven. So wirkt das Ensemble zuweilen wie auf einem schwankenden Schiff und auch der betrunkenen Jana durch ihre Wohnung zu folgen, ist eine Herausforderung. Der beiläufige, lockere Tonfall und die fröhlich-entspannte Musik mit ihren Pfeifliedern signalisieren, dass der Film vor allem amüsieren will und sich selbst auch nicht allzu ernst nimmt.

Fazit: Mit improvisierten Dialogen und einigem Leerlauf treibt der Spielfilm wie seine Junggesellinnenparty auf dem titelgebenden Floß dahin. Das unbeschwerte Ensemblespiel auf engem Raum wartet mit durchaus reizvollen Gesprächen und Situationen auf. Aber sie werden wie auch die Zweifel des lesbischen Paares im Zentrum der Geschichte häufig von alkoholisierter Belanglosigkeit abgelöst.





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