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Kritik: Viva (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Viva" ist eine irisch-kubanische Co-Produktion. Das Werk wurde an Originalschauplätzen in Kuba mit einheimischem Ensemble gedreht. Regie führte der in Dublin geborene Paddy Breathnach, in dessen Vita sich so unterschiedliche Filme wie "Über kurz oder lang" (2001) und "Shrooms" (2007) entdecken lassen. Das Drehbuch stammt von Breathnachs Landsmann Mark O'Halloran; gemeinsam entwickelten die beiden Männer die Geschichte des adoleszenten Protagonisten, nachdem Breathnach eine Drag-Show in Havanna gesehen und diese als Inspiration erlebt hatte. Tatsächlich gehören die Szenen, die sich den Bar-Auftritten von Jesús alias "Viva" und seinen Kolleg_innen widmen, zu den stärksten Momenten der entstandenen Arbeit. Während Luis Alberto García als "Mama" mit seinen Drag-Performances Musterbeispiele für eine tief empfundene Theatralik liefert, zeigt Hauptdarsteller Héctor Medina, wie Jesús sich mehr und mehr steigert und dabei trotz aller Hindernisse zu sich selbst beziehungsweise einer Möglichkeit, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, findet.

Zunächst deutet einiges darauf hin, dass "Viva" in erster Linie an Sozialdramatik interessiert ist. Jesús hat mit finanzieller Not zu kämpfen; selbst die Menschen, die ihm zugetan sind, nutzen ihn in gewisser Hinsicht aus, indem sie etwa – wie die ältere Nita – seine Dienste als Friseur beanspruchen, ohne ihn dafür angemessen entlohnen zu können, oder – wie seine Freundin Cecilia (Laura Alemán) – seine Wohnung in Beschlag nehmen, um eigene amouröse Pläne zu verfolgen. Die Rückkehr seines Vaters Ángel zwingt Jesús überdies später noch dazu, sich – wie schon in früheren Zeiten – zu prostituieren, um an Geld zu kommen. Ohne zum verblendeten feel good movie zu werden, gelingt es dem Skript und dessen Umsetzung aber, auch Momente der Hoffnung, der Menschlichkeit und Wärme einzufangen. "Noch ist die Zivilisation intakt", meint Nita zu Jesús an einer Stelle, als dieser zu verzweifeln droht.

Der Konflikt zwischen Vater und Sohn geht mit Gender- und Queer-Fragen einher; die anfangs recht plakative Gegenüberstellung des sanften Jesús und des grobschlächtigen Erzeugers Ángel gewinnt im Laufe der Handlung an Tiefe. Dass der aggressive Ex-Boxer und Alkoholiker nicht zur Klischeefigur verkommt, ist nicht zuletzt dem Interpreten Jorge Perugorría zu verdanken, welcher im Jahre 1993 in dem heutigen Queer-Cinema-Klassiker "Erdbeer und Schokolade" einen schwulen Künstler verkörperte.

Fazit: Ein gelungenes Coming-of-Age-Drama, das sich dem Drag-Thema mit Hingabe widmet. Héctor Medina erweist sich in der Hauptrolle als vielversprechendes Nachwuchstalent; Jorge Perugorría und Luis Alberto García flankieren ihn sehr gut.





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