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FBW-Bewertung: Dunkirk (2017)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Das Chaos, als das Soldaten einen gegnerischen Angriff empfinden, dem sie ausgeliefert sind und dem sie nur mit purem Glück entgehen können, zeigt Christopher Nolan hier mit großen, großartigen und fast ohrenbetäubenden Sequenzen. Die von den Deutschen geschlagene Armee von britischen und alliierten Soldaten ist an den Strand von Dünkirchen zurückgedrängt worden, wo sie so gut wie wehrlos Angriffen von Land,vom Wasser und aus der Luft ausgesetzt sind. Am Strand drängen sich die Soldaten in langen Schlangen und auf einer Mole, wo sie hoffen, von einem der britischen Schiffe zurück nach England evakuiert zu werden. An der britischen Küste macht sich einer von vielen Fischern auf seinem Kutter auf denWeg über den Kanal, um dabei zu helfen, die Soldaten heimzubringen. Und drei britische Jagdflugzeuge fliegen in Richtung Dünkirchen, um dort die deutschen Flieger davon abzuhalten, die Soldaten zu bombardieren und zu erschießen. Auf diesen drei Ebenen erzählt Nolan mit extrem unterschiedlichen Filmzeiten. Bei den Soldaten am Strand vergeht eine Woche, beim Rettungseinsatz des Kutters ein Tag, beim Flugeinsatz zwischen Start und Landung eine Stunde. Die Episoden sind geschickt montiert und fügen sich so zu einer stimmigen Dramaturgie zusammen. Die Helden bleiben namenlos, erleben also eherkollektive als individuelle Schicksale. Ein junger Soldat hat als einziger seiner Einheit überlebt und versucht alles, um auf einem Schiff oder Boot den Strand zu verlassen. Ein alter Bootskapitän macht sich mit seinem Sohn und einem siebzehnjährige Gehilfen auf die gefährliche Fahrt nach Frankreich. Ein Pilot wird in mehrere Luftkämpfe verwickelt und muss dabei erleben, wie seine beiden Kameraden abstürzen. Die Gewalt der Angriffe wird von Nolan wie eine Naturkraft inszeniert, deren Willkür die Menschen ausgeliefert sind. Wer stirbt oder überlebt ist hier völlig dem Zufall überlassen, ob mutig oder feige, geschickt oder unfähig: jeder kann getroffen werden. Umso eindrucksvoller sind die Akte von Heroismus, die aber von Nolan nicht überhöht stilisiert werden.
Er zeigt, wie ein Soldat mit Granatenschock in Panik gerät, wie aus einer Gruppe heraus einzelne dazu gezwungen werden, sich als ?Freiwillige? zu opfern und wie die Soldaten sich schließlich dafür schämen, dass sie als Geschlagene zurück nach England geflohen sind. DUNKIRK erzählt erstaunlich komplex, obwohl er seine Protagonisten wie den Zuschauer förmlich in das Inferno des Kriegs hineinstößt. Wie sie keine Namen haben, haben sie auch keine Geschichte, die erzählt wird. Doch sie durchleben diese Tage, Stunden und Minuten so intensiv und kreatürlich, dass der Zuschauer sich auf eine kaum erträgliche Weise in sie einfühlen kann, oder besser muss. Regie, Drehbuch, Kamera, die Leistungen des Schauspielerensembles (in das sich Stars wie Kenneth Branagh und Cillian Murphy nahtlos einfügen) und die unheilvoll pulsierende Musik von Hans Zimmer fügen sich hier zu einem großartigen filmischen Schlachtengemälde zusammen.




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