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Lee Scratch Perry's Vision of Paradise
Lee Scratch Perry's Vision of Paradise
© Interzone Pictures

Kritik: Lee Scratch Perry's Vision of Paradise (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der britische Musikjournalist Lloyd Bradley bezeichnete Lee "Scratch" Perry einst als einen "Salvador Dalí des Dub". Dem ist nach der Sichtung von "Lee Scratch Perry’s Vision of Paradise" wenig hinzuzufügen. Beide Künstler verbindet eine ins Geniale hineinragende Kreativität und Originalität. Doch während der Ego- und Exzentriker Dalí zumindest in der zweiten Hälfte seines Lebens zu einem überzeugten Katholiken mutierte, ist Lee Perry ein überzeugter Propagandist der Rastafari-Religion der ersten Stunde. Immer wieder macht der manische Maniac in dieser Dokumentation deutlich, dass er sich schon sehr früh als einen Auserwählten begriff, dessen Aufgabe die weltweite Verbreitung des Rastafari-Gedankenguts und die Heilung der Menschen mittels Musik darstellt.

So war Perry laut Perry für den Bob Marley nicht nur jemand, der den jungen Sänger musikalisch auf die Sprünge half, sondern auch derjenige, der den bis dahin komplett von spirituellen Dingen unbeleckten Marley erst in die wunderbare Welt der Rastafari-Philosophie einführte, dessen bekanntester Propagandist Marley in der Folgezeit wurde. Ob Perry dieser gewaltige weltweite Erfolg seines musikalischen und spirituellen Zöglings überrascht hat? "Nein, das musste so kommen", antwortet er in seiner bestimmten Art.

Ein musikalischer Wegbegleiter beschreibt im Film die Besonderheit des Phänomens Perry, als dessen einzigartige Verbindung von geradezu kindlicher Assoziationsfreude und Kreativität in Verbindung mit einem starken Sinn für Ordnung und Struktur. Das Ergebnis ist etwas, das eine geradezu magische Wirkung entfaltet. Nicht umsonst hat Perry auf seiner poppig-schrillen Mütze die an ein bekanntes Halluzinogen erinnernde Abkürzung seines Künstlernamens LSP stehen. Denn auch wenn der kiffende Chaot gerne allerlei kindlichen Kokolores von sich gibt, so steht seine künstlerische Klasse niemals zur Debatte: Egal, ob Perry im Studio mit den Musikern von "The Orb" mal eben ein paar groovige neue Songideen aus dem Ärmel schüttelt oder ob der Dub-Opa beim Konzert in Zürich die Menge mit seinen locker improvisierten Reimen verzaubert - eines ist hierbei jederzeit eindeutig: Dieser Mann muss tatsächlich von einem anderen Stern stammen!

Fazit: Schrill, kurzweilig und vergnügt: Diese Doku ist wie der von ihr Porträtierte.





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