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Das Talent des Genesis Potini
Das Talent des Genesis Potini
© Koch Media

Kritik: Das Talent des Genesis Potini (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Man kennt diese Geschichte als regelmäßiger Kinobesucher nur allzu gut: Ein ehemaliger Champion, der bloß noch ein Schatten seiner selbst ist, erkämpft sich gegen alle Widrigkeiten erneut den Respekt der Gemeinschaft, indem er Jugendlichen dabei hilft, nicht auf die schiefe Bahn zu geraten. So in etwa lässt sich "Das Talent des Genesis Potini" zusammenfassen und dennoch wird man dem Film des neuseeländischen Regisseurs und Drehbuchschreibers James Napier Robertson mit so einer Inhaltsangabe kaum gerecht.

Natürlich erzählt Robertsons Drama eine Story, wie sie schon unzählige Male auf der Leinwand zu sehen war, und bedient dabei munter alle Konventionen des Genres. Allerdings führt das Nutzen von vertrauten Formeln in "Das Talent des Genesis Potini" nicht wie bei so manchem filmischen Konkurrenten zu Langeweile und selbstgefälliger Routine. Vielmehr nutzt Robertson die generische Dramaturgie, um innerhalb dieser seine ganz eigenen Anekdoten aus dem Leben preiszugeben.

Im Mittelpunkt steht dabei immer der Titelheld Genesis Potini, der außerhalb Neuseelands zwar eher unbekannt sein dürfte, in seiner Heimat allerdings eine kleine Legende ist. Cliff Curtis ("Whale Rider", 2002) spielt das 2011 verstorbene Schachgenie mit zusätzlichen 30 Kilogramm auf den Rippen und spürbarem Engagement. Dabei gelingt es dem Schauspieler, der selber Maori ist, Potini ein Denkmal zu setzen, ohne in eine betäubende, lebensferne Ehrfurcht zu verfallen.

Überhaupt zeichnet sich "Das Talent des Genesis Potini" durch seinen Sinn für Realismus aus: Ein paar überflüssige rührselige Klischees finden sich hier zwar auch, aber im Großen und Ganzen blickt Robertson mit seinem Drama nüchtern und unsentimental auf die komplexe Lebenswelt seines Protagonisten. Die Schilderung vielfältiger sozialer Spannungen sowie ein rauer Charme bewahren den Film so davor, zu stromlinienförmigen Feel-Good-Kino zu verkommen.

Fazit: James Napier Robertson erzählt anhand einer durch und durch konventionellen Dramaturgie von der komplexen Lebenswelt des Titelhelden und Schachgenies Genesis Potini. Cliff Curtis engagiertes Spiel, rauer Charme sowie ein unsentimentale Realismus bewahren das Drama dabei gekonnt davor, trotz aller Formelhaftigkeit zu belanglosem Feel-Good-Kino zu verkommen.





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