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Alle Katzen sind grau
Alle Katzen sind grau
© Film Kino Text © Die FILMAgentinnen

Kritik: Alle Katzen sind grau (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Erzählprämisse von "Alle Katzen sind grau" könnte eine chaotische Komödie vermuten lassen: Ein Privatdetektiv wird damit beauftragt, den Vater einer Jugendlichen zu finden – und er selbst hatte mit der Mutter der besagten Jugendlichen vor deren Geburt ein flüchtiges Liebesabenteuer. Doch was die belgische Regisseurin und Drehbuchautorin Savina Dellicour gemeinsam mit ihrem Co-Schreiber Matthieu de Braconier aus diesem Set-up macht, ist weit mehr als ein unterhaltsamer Spaß. Dies liegt an den spannungsreichen Wendungen und der gekonnt eingefangenen Vorstadtatmosphäre, vor allem aber an den reizvollen Figuren, die nuanciert gezeichnet und mit großem Feingefühl interpretiert werden.

Zum einen schildert "Alle Katzen sind grau" die Coming-of-Age-Story der rebellischen Dorothy. Dem schönen Schein, den ihre Mutter Christine aufrechtzuerhalten versucht, setzt die 15-Jährige ein juveniles Trotzverhalten entgegen. Manon Capelle – die hier ein äußerst beachtliches Schauspieldebüt gibt – gelingt es, sowohl die Unsicherheit als auch die Stärke der Figur zu zeigen; Dorothy schwankt zwischen stillen, introvertierten und wuchtig-extrovertierten Momenten – wodurch eine überaus glaubhafte Darstellung eines Menschen in der Hochpubertät entsteht. Nicht minder interessant sind zum anderen jedoch auch die beiden zentralen Erwachsenenrollen: Anne Coesens fungiert als Christine in gewisser Hinsicht als Antagonistin, da die Mutter die Suche der Tochter zunächst behindert. Gleichwohl wird das Skript auch Christines Perspektive gerecht. Die Passage, in welcher Christine letztlich ihr Schweigen bricht, zählt zu den intensivsten des Films. Die Besetzung des Comedy-erprobten Bouli Lanners (der das schräge Roadmovie "Eldorado" geschrieben und inszeniert hat und darin zudem als Hauptakteur zu sehen ist) erweist sich als echter Glücksfall: Mit herber Liebenswürdigkeit verkörpert Lanners den einsam-melancholischen Detektiv Paul. Der Punk-Rock-Sound, der im Laufe der Geschichte immer wieder erklingt, vermag sowohl Dorothys Adoleszenzkrise als auch Pauls innere Unruhe überzeugend zu vermitteln.

Fazit: Sehenswertes belgisches Kino, das vom Erwachsenwerden erzählt und insbesondere von seinen eindringlich gespielten Figuren lebt.




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