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Banana Pancakes und der Lonely Planet
Banana Pancakes und der Lonely Planet
© Kairos Film

Kritik: Banana Pancakes und der Lonely Planet (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In der Trockenzeit kommen die Touristen. Dann überfluten sie die Straßen des kleinen Örtchens Muang Ngoi in Laos auf der Suche nach Ruhe und Abgeschiedenheit. Doch seit das Dorf in Reiseführen steht, ist selbst dort die Hektik eingekehrt. "Welchen Preis zahlen wir für die Globalisierung?" ist eine der vielen unausgesprochenen Fragen, die Daan Veldhuizen in "Banana Pancakes und der Lonely Planet" stellt. Die Antworten darauf machen nachdenklich. Der niederländische Regisseur gibt nichts vor, kommentiert nicht aus dem Off. Lediglich durch die Musik und die eine oder andere suggestive Montage bezieht er Stellung. Von allem anderen, vom Ort, von dessen Bewohnern und den Veränderungen, berichten die Figuren vor seiner Kamera ganz eigenständig. Es ist ein Kapitalismus im Schnelldurchlauf, den Veldhuizen in seinem Film dokumentiert.

Dieser Kapitalismus ist voller Paradoxien. Auf der einen Seite profitieren die Einheimischen vom Geld der Touristen, bauen Straßen, Häuser und ein besseres Stromnetz, erhalten Zugang zum Internet, treten in Kontakt mit der Welt, können sich Mobiltelefone und Motorräder leisten. Andererseits gehen Traditionen, ab und an die Ehrlichkeit verloren. Die Touristen wiederum, die nach einem unberührten Fleckchen Erde suchen, um der Hektik ihres Alltags zu entfliehen, zerstören diese Unberührtheit und Ruhe durch ihre Ankunft letztlich selbst. Es ist frappierend, dass sie sich dessen nicht nur bewusst sind und klug darüber reflektieren, sondern keine Konsequenzen daraus ziehen. Auf die kurze Weltflucht will keiner verzichten. Dort länger zu leben, kann sich aber keiner vorstellen. Der Tourismus westlicher Ausprägung, auch das führt "Banana Pancakes und der Lonely Planet" vor Augen, ist zu einem gewissen Grad immer ein Armutstourismus, der den Backpackern, wie mittellos sie auch sein mögen, den eigenen Luxus ins Gedächtnis ruft. Unter all den jungen Idealisten gibt ein älterer Reisender unumwunden zu, dass er lediglich die entlegensten Winkel der Welt sehen wolle und sich für fremde Kulturen schon lange nicht mehr interessiere.

Daan Veldhuizens Film ist aber auch einer über Freundschaft. Das Publikum wird Zeuge, wie die Erfahrungen aus der Stadt Shai nach seiner Rückkehr auf das Land verändert haben und ihn von seinem alten Kumpel Khao zusehends entfremden. Wie die Touristen ist auch Shai vor der Hektik geflohen und kehrt seiner Heimat am Ende erneut den Rücken; allerdings eher aus Erfolglosigkeit. Denn während Khao mit den Touristen gute Geschäfte macht, sich mit ihnen austauscht und von eigenen Reisen in schneebedeckte Berge träumt, zieht sich Shai immer mehr zurück, betrinkt sich schon tagsüber. Auch das ist eine Kehrseite des schnell verdienten Geldes.

Zu guter Letzt ist "Banana Pancakes und der Lonely Planet" ein Film über das Filmemachen. Sind die Dorfbewohner, allen voran Shai, der Kamera gegenüber zunächst aufgeschlossen, werden die Blicke und Aussagen kritischer. Besonders Shai empfindet sich mehr und mehr wie eine Cartoonfigur, die von den Fremden ausgenutzt wird. Schließlich ist auch Veldhuizen nur ein Tourist. Seine Dokumentation endet mit der unausgesprochenen Frage, wie er selbst zur Lage vor Ort steht und welchen Anteil daran er trägt.

Fazit: Am Beispiel einer Freundschaft in einem kleinen Dorf in Laos dokumentiert Daan Veldhuizens "Banana Pancakes und der Lonely Planet" die Globalisierung im Schnelldurchlauf. Die Paradoxien des weltweiten Tourismus, seine Gewinner und Verlierer stimmen nachdenklich.





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