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Die Überglücklichen
Die Überglücklichen
© Neue Visionen

Kritik: Die Überglücklichen (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Nachdem er sich in seiner Romanverfilmung "Die süße Gier" (2013) der Kapitalismuskritik widmete, liefert der Italiener Paolo Virzì mit "Die Überglücklichen" einen Mix aus Psychiatrie-Satire, schwungvollem Roadmovie und bitterem Melodram. Die Balance zwischen komisch-überdrehten und ernsthaft-tragischen Momenten gelingt dem Drehbuch, das Virzì zusammen mit Francesca Archibugi verfasst hat, und der Inszenierung nicht immer. Dennoch erweist sich Virzì abermals als Könner der Schauspielführung, der seinem Ensemble eine Bühne für höchst eindrückliche Performances bietet. Überdies fängt der Filmemacher gemeinsam mit seinem Kameramann Vladan Radovic den chaotisch-spontanen Trip der beiden Hauptfiguren durch die Toskana in überaus berückenden Bildern ein.

Valeria Bruni Tedeschi, die etwa auch schon in François Ozons "5x2 – Fünf mal zwei" (2004) sowie in Virzìs bereits erwähntem Vorgängerwerk zu glänzen vermochte, hat mit der exzentrischen Beatrice erneut eine Paraderolle gefunden, die sie mit sichtlicher Freude und großem Talent verkörpert. Wenn Beatrice zu Beginn im schicken Outfit und mit Sonnenschirm über das idyllische Gelände der psychiatrischen Einrichtung stolziert und dabei das Gebaren einer Hausherrin an den Tag legt, wiewohl sie eine zwar blaublütige, aber inzwischen mittellose und obendrein verurteilte Patientin ist, ist das wahrlich ein herrlicher Auftritt, dem im Laufe der Reise von Beatrice und Donatella noch zahlreiche weitere folgen – etwa in einem teuren Restaurant (dessen Angebot sich die zwei Frauen eigentlich gar nicht leisten können) oder einer Bank. Die pathologische Lügnerin erinnert an die Tennessee-Williams-Gestalt Blanche DuBois aus "Endstation Sehnsucht"; reizvoll ist sie nicht zuletzt deshalb, weil sie trotz ihrer Mythomanie erstaunlich viel Wahres über den Zustand und die Korruption ihres Heimatlandes sagt.

Virzìs Ehefrau Micaela Ramazzotti ("Anni Felici – Barfuß durchs Leben") gelingt es, neben ihrer starken Leinwandpartnerin zu bestehen: Sie interpretiert Donatella überzeugend als Figur mit etlichen körperlichen und seelischen Wunden. Die sich entbergende backstory des Parts ist allerdings derart heftig, dass sie sich kaum mit dem überwiegend amüsant-bösen Tonfall der Geschichte vereinbaren lässt.

Fazit: Eine nicht durchweg stimmige Melange aus Tragik und Komik, die von den furiosen Darbietungen der beiden Hauptdarstellerinnen lebt.





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