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Kommen Rührgeräte in den Himmel?
Kommen Rührgeräte in den Himmel?
© barnsteiner-film © Gmfilms

Kommen Rührgeräte in den Himmel? (2016)

Dokumentarfilm über Nachhaltigkeit, der sein Thema in eine fiktive Rahmenhandlung einbettet.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 1 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Die Schweizerin Carmen (Laura Angelina Palacios) studiert in Jena. Als ihr neuer Handmixer kaputtgeht, kauft sie auf einem Flohmarkt einen gebrauchten als Ersatz. Im Gegensatz zu ihrem Wegwerfprodukt verrichtet das in der DDR legendäre Rührgerät RG 28 des Elektrogerätewerks Suhl zu Carmens Verwunderung auch Jahrzehnte nach seiner Produktion noch treu seinen Dienst. Neugierig macht sich die Studentin mit einem Aufnahmegerät bewaffnet auf die Suche nach dessen Ursprung.

Regisseur und Autor Reinhard Günzler lässt in seinem Dokumentarfilm Arbeiter und Handwerker, Konstrukteure und Designer, Sammler und Bastler, Historiker und Wirtschaftswissenschaftler, Theologen und Psychologen über Nachhaltigkeit in Ost und West zu Wort kommen. Statt ihnen seine Fragen selbst zu stellen, setzt er seinen Gesprächspartnern Schauspielerin Laura Angelina Palacios in ihrer Rolle als Studentin Carmen gegenüber.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse2 / 5

Dokumentarfilme über Umwelt, Ernährung, Energie und Konsum haben seit gut einem Jahrzehnt Konjunktur. Auch Reinhard Günzlers "Kommen Rührgeräte in den Himmel?" reiht sich hier ein und geht denselben Fragen nach, die die anderen Vertreter von "Unser täglich Brot" (2005) bis "Power to Change" (2016) umtreiben: In welcher Welt wollen wir Leben? Ist diese Welt überhaupt noch zu retten? Und wenn ja, wie?

Angesichts der immer höheren Müllberge nimmt sich Günzler die Lebensdauer technischer Geräte vor und versucht, unserer Wegwerfgesellschaft auf den Grund zu gehen. Als Aufhänger dient ihm eine fiktive Geschichte, um die er seinen Dokumentarfilm baut. Die wirkt jedoch ebenso aufgesetzt wie die prätentiösen, transzendent-verkitschten Kommentare, die Schauspielerin Laura Angelina Palacios in ihrer Rolle als Schweizer Studentin Carmen aus dem Off zum Besten gibt, die Günzler wiederum allzu gern aufreizend ins Bild setzt.

Günzler Antwort auf seine Ausgangsfrage ist simpel: Schuld ist der Kapitalismus, der die Käufer den Dingen entfremdet, der aus Gewinnstreben immer schlechtere Produkte herstellt und der seine Konsumenten zu einem immer schnelleren Konsum animiert, selbst wenn die Produkte noch tadellos funktionieren. Wie so viele konsumkritische Dokumentarfilme lässt dabei auch "Kommen Rührgeräte in den Himmel?" die nötige Ausgewogenheit vermissen und torpediert dadurch seine in der Sache richtige Kernaussage.

Das Missverhältnis fängt bereits damit an, dass Carmen bei ihrer Recherche kaum aus Thüringen herauskommt, und setzt sich in der Auswahl der Gesprächspartner fort. Statt seine These kritisch zu überprüfen und gegebenenfalls zu revidieren, sucht Günzler lediglich nach Bestätigung und ergeht sich schnell in Ostalgie. Dieser eingeschränkte Blick verstellt ihm ein ums andere Mal die Sicht auf entscheidende Fragen.

Dass die Dichotomie aus bösem Kapitalismus und guter Planwirtschaft viel zu kurz greift, zeigt bereits die Tatsache, dass auch der kapitalistische Westen Geräte hervorgebracht hat, die jahrzehntelang, ja selbst länger als das legendäre RG 28 laufen. Ob, wann und wieso hier eine Abkehr von einstigen Qualitätsstandards stattgefunden hat, klärt der Film nicht auf. Dazu hätte er aber auch einen Erzeuger der Wegwerfprodukte befragen müssen. Nur mit dem Zusammenbruch des Ostblocks lässt sich das zumindest nicht begründen. Einen wirklichen Mehrwert zur Debatte liefert "Kommen Rührgeräte in den Himmel?" damit nicht.

Fazit: Reinhard Günzlers "Kommen Rührgeräte in den Himmel?" ist ein weiteres Beispiel einer Reihe bewusst einseitiger Dokumentarfilme, das seine wichtige Kernaussage dadurch und durch die Wahl seiner formalen Mittel torpediert.




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Land: Deutschland
Jahr: 2016
Genre: Dokumentation
Länge: 94 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 29.09.2016
Regie: Reinhard Günzler
Darsteller: Laura Angelina Palacios
Verleih: Gmfilms, barnsteiner-film

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