VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Kommen Rührgeräte in den Himmel?
Kommen Rührgeräte in den Himmel?
© barnsteiner-film © Gmfilms

Kritik: Kommen Rührgeräte in den Himmel? (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Dokumentarfilme über Umwelt, Ernährung, Energie und Konsum haben seit gut einem Jahrzehnt Konjunktur. Auch Reinhard Günzlers "Kommen Rührgeräte in den Himmel?" reiht sich hier ein und geht denselben Fragen nach, die die anderen Vertreter von "Unser täglich Brot" (2005) bis "Power to Change" (2016) umtreiben: In welcher Welt wollen wir Leben? Ist diese Welt überhaupt noch zu retten? Und wenn ja, wie?

Angesichts der immer höheren Müllberge nimmt sich Günzler die Lebensdauer technischer Geräte vor und versucht, unserer Wegwerfgesellschaft auf den Grund zu gehen. Als Aufhänger dient ihm eine fiktive Geschichte, um die er seinen Dokumentarfilm baut. Die wirkt jedoch ebenso aufgesetzt wie die prätentiösen, transzendent-verkitschten Kommentare, die Schauspielerin Laura Angelina Palacios in ihrer Rolle als Schweizer Studentin Carmen aus dem Off zum Besten gibt, die Günzler wiederum allzu gern aufreizend ins Bild setzt.

Günzler Antwort auf seine Ausgangsfrage ist simpel: Schuld ist der Kapitalismus, der die Käufer den Dingen entfremdet, der aus Gewinnstreben immer schlechtere Produkte herstellt und der seine Konsumenten zu einem immer schnelleren Konsum animiert, selbst wenn die Produkte noch tadellos funktionieren. Wie so viele konsumkritische Dokumentarfilme lässt dabei auch "Kommen Rührgeräte in den Himmel?" die nötige Ausgewogenheit vermissen und torpediert dadurch seine in der Sache richtige Kernaussage.

Das Missverhältnis fängt bereits damit an, dass Carmen bei ihrer Recherche kaum aus Thüringen herauskommt, und setzt sich in der Auswahl der Gesprächspartner fort. Statt seine These kritisch zu überprüfen und gegebenenfalls zu revidieren, sucht Günzler lediglich nach Bestätigung und ergeht sich schnell in Ostalgie. Dieser eingeschränkte Blick verstellt ihm ein ums andere Mal die Sicht auf entscheidende Fragen.

Dass die Dichotomie aus bösem Kapitalismus und guter Planwirtschaft viel zu kurz greift, zeigt bereits die Tatsache, dass auch der kapitalistische Westen Geräte hervorgebracht hat, die jahrzehntelang, ja selbst länger als das legendäre RG 28 laufen. Ob, wann und wieso hier eine Abkehr von einstigen Qualitätsstandards stattgefunden hat, klärt der Film nicht auf. Dazu hätte er aber auch einen Erzeuger der Wegwerfprodukte befragen müssen. Nur mit dem Zusammenbruch des Ostblocks lässt sich das zumindest nicht begründen. Einen wirklichen Mehrwert zur Debatte liefert "Kommen Rührgeräte in den Himmel?" damit nicht.

Fazit: Reinhard Günzlers "Kommen Rührgeräte in den Himmel?" ist ein weiteres Beispiel einer Reihe bewusst einseitiger Dokumentarfilme, das seine wichtige Kernaussage dadurch und durch die Wahl seiner formalen Mittel torpediert.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.