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Kritik: TE3N (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Immer wieder erreichen uns Horrormeldungen über in Indien misshandelte und ermordete Frauen. Weniger bekannt ist dahingegen, dass auf dem indischen Subkontinent Jahr für Jahr über 100.000 Kinder verschwinden. dabei ist dies nur die offizielle Zahl: Die Dunkelziffer könnte noch deutlich höher liegen. Mit diesem Wissen im Hinterkopf verwundert es nicht, dass sich nur zwei Jahre nach "Sunrise" (2014) mit "Te3n" (2016) erneut ein indischer Thriller diesem tragischen Thema widmet. Beiden Filmen gemein ist, dass sie sich fernab von Bollywood bewegen. Zugleich sind sie grundverschieden.

Während "Sunrise" ein kryptischer Film ist, dessen von Anbeginn an nur rudimentäre Handlung sich im Verlaufe seiner Spielzeit immer mehr in surreale Stimmungsbilder auflöst, orientiert sich "Te3n" stark am typischen Hollywoodfilm. Damit ist dies der wesentlich zugänglichere, dieser beiden indischen Thriller. Doch möchte man bei diesem dunklen Mysterythriller im nationalen Kontext bonbonbunter Bollywoodfilme nicht von einem Mainstreamfilm sprechen. Zugleich ist "Te3n" fern davon, sich sich so weit den westlichen Sehgewohnheiten anzubiedern, dass dabei die indische Note verloren ginge.

Ähnlich wie in dem Arthouse-Feelgoodmovie "Lunchbox" - in welchem der in "Te3n" den Pastor-Polizisten Martin spielende Nawazuddin Siddiqui übrigens ebenfalls eine Hauptrolle bekleidete - ist "Te3n" überreich an Atmosphäre und an einem speziell indischen Flair, ohne dabei wie in "Die Poesie des Unendlichen" (2015) eine westliche Kitschversion des indischen Subkontinents heraufzubeschwören. Darüber hinaus überzeugt der Thriller mit seinen gut gezeichneten Charakteren, die von einigen indischen Superstars gespielt werden. Der den gebrochenen Großvater John spielende Amitabh Bachchan war auch schon in der opulenten Hollywoodproduktion "Der große Gatsby" (2013) zu sehen.

"Te3n" ist ein sehenswerter und äußerst spannender Thriller, dessen dramatische Elemente ihn über einen reinen Unterhaltungsfilm hinaus zusätzlich aufwerten. Dies bedeutet jedoch nicht, dass "Te3n" perfekt sei oder einen Kunstanspruch, wie "Sunrise" besitzen würde. Zu klischeehaft wirkt der Anfang, mit dem gebrochenen Opa, der ein altes Unglück gutmachen will und zu konstruiert ist am Ende die Auflösung. Zugleich wartet der Film gerade in seiner Darstellung des investigativen Prozesses mit vielen interessanten und intelligenten Details auf, die wesentlich spannender, als die sonst im Genre üblichen Actionelemente sind. Statt um rasante Autoverfolgungsjadten und wilde Schießorgien, geht es in "Te3n" um Dinge wie die Feinheiten bestimmter Tonaufnahmen. Damit steht der Film den investigativen Thrillern der 70er-Jahre deutlich näher, als vielen heutigen 08/15-Action-Heulern. - Schön, dass es so etwas noch/wieder gibt!

Fazit: Der indische Unterhaltungsfilm "Te3n" ist ein sehr spannender klassischer Thriller mit guten Charakteren und einer absolut unkitschigen exotischen Note.




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