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Shot in the Dark
Shot in the Dark
© dejavu filmverleih

Kritik: Shot in the Dark (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Blinde Fotografen? Im ersten Moment klingt das wie ein Widerspruch oder ein schlechter Scherz. Frank Amann beweist in seinem Regiedebüt das Gegenteil. Auf das Thema ist er zufällig gestoßen. Eigentlich ist der 1961 geborene Wiesbadener Kameramann. Bei den Recherchen zum spanischen Spielfilm "Camera obscura" (2011) über einen blinden Teenager entdeckte Amann einen Ausstellungskatalog. Die Schau im kalifornischen Riverside zeigte die Werke 15 blinder Künstler. Bei Dreharbeiten in den USA traf Amann sich mit zweien davon, und der Grundstein zu "Shot in the Dark" war gelegt.

Amann nähert sich den drei in seinem Film vorgestellten Fotografen sehr behutsam. Seine Kamera ist dicht dran, aber nie aufdringlich und lässt den Porträtierten genügend Raum, sich vor ihr zu entfalten. Jeder öffnet sich auf seine Weise, lässt den Regisseur an seinem Alltag, seiner Arbeit, seiner Krankengeschichte und seinen Gedanken über das Sehen und dessen Verlust, über Licht und Fotografie teilhaben. Dazu bedarf es keines Kommentars aus dem Off, keiner erklärender Bauchbinden oder dramatisierender Musik. Nur ab und an unterstützen Frank-Martin Strauß' sphärische Klänge die faszinierenden Fotografien.

Auch wenn Frank Amann auf eine klassische Dramaturgie verzichtet, Leben und Arbeit der drei Künstler zum Filmende hin nicht dramaturgisch zuspitzt, sondern vollkommen beiläufig erzählt, ist "Shot in the Dark" von der ersten bis zur letzten Sekunde spannend. Zum einen liegt das an der klug gewählten Laufzeit, die mit nur 79 Minuten unnötige Dopplungen, Längen und Durchhänger vermeidet. Zum anderen sind es die Fotografen selbst, die mit ihrer starken Persönlichkeit und mit Bildern fesseln, bei denen es manchmal schwerfällt zu glauben, dass sie ein Blinder geschossen hat.

Fazit: Kameramann Frank Amann, der mit dem Dokumentarfilm "Shot in the Dark" sein Regiedebüt gibt, ist ein ebenso faszinierendes wie berührendes Porträt dreier Ausnahmekünstler gelungen, deren Werdegang das Publikum zum Nachdenken anregt.




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