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FBW-Bewertung: Das Gelände (2014)

Prädikat wertvoll

Jurybegründung: Zu Zeiten des nationalsozialistischen Terrors war die Prinz-Albrecht-Straße in Berlin die wohl berüchtigtste Adresse des Deutschen Reiches. Hier hatten die maßgeblichen Sicherheitsorgane des Dritten Reichs ihren Sitz: Der Reichsführer SS, das Reichssicherheitshauptamt, der berüchtigte Sicherheitsdienst der SS (SD) und die Gestapo ? all diese Institutionen residierten hier in unmittelbarer Nähe des damaligen Regierungsviertels. Später, im Jahre 1951, wurde die Adresse dann in Niederkirchner Straße umbenannt, als Namenspatronin sollte die Kommunistin und Widerstandskämpferin Käthe Niederkirchner den Ort vergessen machen.

Doch an diesem Gelände spiegelt sich nicht nur die Geschichte des Nationalsozialismus wieder, auch die deutsch-deutsche Teilung wird an diesem Ort lebendig. Die Berliner Mauer machte aus der frühen Schaltzentrale des NS-Terrors einen Unort und trennte die Straßen, was eine gesamtdeutsche Erinnerungskultur zusätzlich erschwerte.

Mit viel Akribie und Nüchternheit hat der Filmemacher Martin Gressmann die Geschichte dieses ganz besonderen Orts seit dem Jahre 1985 mit der Kamera begleitet und registriert. Seine Chronik des Geländes endet nach 28 Jahren mit der Eröffnung des Dokumentationszentrums ?Topographie des Terrors? im Jahre 2013 ? esist ein langer Weg, den er hier nachzeichnet vom früheren Schuttabladeplatz Kreuzbergs zu einem Ort der Erinnerung, der aber auch nicht nach jedermanns Geschmack geraten ist. Seine Geschichte der früheren Prinz-Albrecht-Straße rückt immer wieder eine Frage in den Mittelpunkt des Interesses: Wiegehen wir mit der Last der Vergangenheit um, wie können wir uns an tausendfach erlittenes Unrecht erinnern? Und wollen wir das überhaupt?

Dem geweckten Interesse der auch stadthistorischen Aufarbeitung steht aber mitunter die Detailversessenheit entgegen, dieüber die gesamte Länge des Films nach Ansicht der Jury ein wenig ermüdend wirkt. Nur gelegentlich schafft Gressmann mit persönlich gehaltenen Briefen an seine Großmutter einen Kontrast, bei dem auch die menschliche Dimension dieser Ortsbegehung und -vermessung durchschimmert. Genau diese menschliche und emotionale Facette hätte sich die Jury öfter gewünscht.

Insgesamt liefert DAS GELÄNDE eine höchst interessante Grundidee der filmischen Vergangenheitsbewältigung, die sehr viel Geduld und Einfühlungsvermögen seitens des Zuschauers fordert.



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