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Wilde Maus
Wilde Maus
© 20th Century Fox © Majestic Filmverleih GmbH

Kritik: Wilde Maus (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Wilde Maus" ist das Regie-Debüt von Schauspieler und Komödiant Josef Hader, der zu Österreichs erfolgreichsten und bekanntesten Kabarettisten zählt. Seinen Durchbruch hatte der 1962 in Oberösterreich geborene, ehemalige Lehramts-Student, 1988 mit seinem Programm "Biagn oder Brechen". Vor allem ab den frühen 00er-Jahren, verschwammen in seinen Shows immer mehr die Grenzen zwischen Schauspiel und Kabarett. Die Dreharbeiten für "Wilde Maus", für den Hader auch die Hauptrolle übernahm, fanden Ende 2015 vor allem in Wien statt. Seine Premiere erlebte der Film auf der 67. Berlinale im Februar dieses Jahres.

Kaum jemanden kann man sich in der Rolle eines vor den Trümmern seines gutbürgerlichen Daseins stehenden Mittfünfzigers, besser vorstellen als Josef Hader. Ausgestattet mit dem für ihn so typischen melancholischen Hundeblick, legt er seine vielschichtige Figur zwischen tragikomischem Helden und gescheiterter Existenz, an. Die Sympathien haben Hader und seine Filmfigur Georg, schnell auf ihrer Seite. Nicht zuletzt deshalb, da Georgs Probleme aus dem Leben gegriffen sind und viele Menschen schon einmal – wenn nicht in dieser Intensität doch zumindest in Ansätzen – betrafen: Jobverlust, Angst vor dem sozialen Abstieg, Verlust der (beruflichen) Identität, die Angst vor dem Altern und nicht zuletzt Eheprobleme.

Die Szenen sind mal berührend, mal komisch und fast im Minutentakt ist man den Tränen nahe, allerdings aus unterschiedlichen Gründen: mal, weil einem – ob Georgs tiefer Trauer und Verzweiflung – zum (mit)heulen zumute ist. Aber dann wieder vor Lachen, aufgrund der großartigen Einfällen und tollen Dialoge, vor denen der Film geradezu übersprudelt. Als Zuschauer kann man die Wut Georgs Verstehen und auch wenn man selbst wohl nicht so weit gehen würde, dem Ex-Chef nachts aufzulauern, dessen Auto zu demolieren und ihm mit dem Tode zu drohen – man fühlt mit Georg und kann dessen Frust sehr gut nachempfinden. In gewisser Weise hofft man sogar, dass sein ehemaliger Vorgesetzter so richtig leiden muss.

Und einen weiteren großen Reiz machen eben jene, bereits erwähnten One-Liner und Dialoge aus. Die haben es teils gehörig in sich, sind extrem derb und immer gelungen platziert sind. Egal ob bei Georgs (eher weniger von Erfolg gekrönten) Flirtversuchen, bei Unterhaltungen mit seinem bestem Freund Erich (stark: Georg Friedrich als ebenso bemitleidenswerter Unglücksrabe mit tieftraurigem Blick) oder bei wilden, spitzzüngigen Wortgefechten zwischen Georg und seiner Frau (Stichwort: Samenerguss).

Fazit: "Wilde Maus" ist die gelungenste, ehrlichste und pointierteste Tragikomödie seit langem – dank eines bärenstarken Ensembles, treffsicherer Dialoge und nachvollziehbarer Ängste, die thematisiert werden.




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