VG-Wort

oder

FBW-Bewertung: Pets 2 (2018)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: PETS 2 erweist sich in vielerlei Hinsicht als herausragender Vertreter des 3D-animierten Family-Entertainments, weil es den Kreativen gelungen ist, die Klaviatur auf den Instrumenten von Story, Charaktere, Gestaltung, Dialog und Musik auf perfekte Weise zu spielen. Dreht sich die Erzählung inhaltlich vor allem um ? möglichst abenteuerlich verpackt ? gewohnt konstruktive Themen wie Toleranz, Akzeptanz, Mut, der Dichotomie von Stadt und Land sowie dem Sich-Stellen von Ängsten, so erstaunt insbesondere der dramaturgische Grundaufbau. Ohne allzu spezifischen Rahmen entwickeln sich drei Erzählstränge auf äußerst stimmige Weise parallel. Es handelt sich um die Erlebnisse dreier Hauptfiguren, die in Bild, Sound und Dramaturgie perfekt zu einem wohltemperierten und lustigen Ganzen montiert sind.
Besonders gelungen erscheint der Jury die Ausgestaltung der Charaktere. Mit Ausnahme des etwas eindimensional und klischiert geratenen Antagonisten und seiner Wölfe, werden die Rollenbilder aller sonstigen Figuren in ihrer Zeichnung auf erfrischende Weise gebrochen, pflegen eine sehr treffende Selbstironie oder entwickeln spannende Ambivalenzen. Meisterlich in den Detailstudien tierischen Verhaltens zeigen sich zudem die Figurenentwicklung und ihre Animation. Da sind Terrier Max und seine stressbedingte Übersprungshandlung (das Kratzen), die Katzen und ihr geradezu religiöser Bezug zu ihrem Jagd- und Spielfetisch (das Jagen des Laserpointer), Hunde und Kühe, die gegenseitig ihr vorurteilbehaftetes Verhalten nachäffen ? die Präzision, mit derdie Macher*innen tierischen Ausdruck und Reaktionen exakt imitieren, ins Humoristische überhöhen und dabei die Figuren zu Identifikationszwecken natürlich trotzdem vermenschlichen, führt zu einigen herausragenden Szenen. Die gelungene Musikebene unterstreicht in ihrer Mischung aus Alexandre Desplats Originalscore und Neuinterpretationen einiger Songklassiker auf sehr kluge Weise diese ironischen Anspielungen, und auch die deutsche Übersetzung und Synchronisation erscheinen der Jury als ausgesprochen gelungen. Bei all der Vielfalt von Einflüssen, Anspielungen und originellen Ideen wirkt einzig die Superhelden-Ebene rund um Kaninchen Snowball als Anbiederung an einen nicht enden wollenden Kino-Erfolgstopos etwas übergestülpt und unnötig. Dies allerdings vermag das große Vergnügen am Gesamterlebnis nicht zu schmälern.



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