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Kritik: Euphoria (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "Euphoria" hat die 1975 geborene, schwedische Drehbuchautorin und Regisseurin Lisa Langseth ihren dritten Langfilm realisiert – und zum dritten Mal hat sie nach "Die innere Schönheit des Universums" (2010) und "Hotell" (2013) mit der jungen Schauspielerin Alicia Vikander zusammengearbeitet, welche inzwischen dank der Oscar-Prämierung als beste Nebendarstellerin in "The Danish Girl" (2015) sowie Auftritten in "Ex Machina" (2014) oder "Jason Bourne" (2016) zu einem internationalen Star avanciert ist. Die schwedisch-britisch-deutsche Produktion erzählt im Kern von einer diffizilen Schwesternbeziehung – und hat mit Vikander und Eva Green ("Die Träumer", "James Bond 007 – Casino Royale") zwei hervorragende Interpretinnen.

Die von Vikander verkörperte Ines und die von Green gespielte Emilie werden als absolutes Gegensatzpaar gezeichnet: Während Ines der Familie früh den Rücken kehrte, um sich in den Vereinigten Staaten als Künstlerin zu verwirklichen, blieb Emilie bei der depressiven, suizidalen Mutter; Ines denkt pragmatisch, Emilie ist ein sehr emotionaler Mensch. Es gelingt dem Schauspiel-Duo, diesen durchaus schematisch angelegten Figuren etwas Wahrhaftiges zu verleihen – obendrein ist das Verhältnis der Schwestern zwischen Entfremdung, gegenseitigem Unverständnis und dem Wunsch nach einer Verbindung, nach Nähe stets glaubwürdig. Unterstützt werden Vikander und Green von einem starken Nebencast, insbesondere von Charlotte Rampling ("Swimming Pool", "45 Years") und Charles Dance ("Gosford Park", "Game of Thrones").

Eine wichtige Rolle in "Euphoria" übernimmt zudem der Schauplatz: Der Ort mitten im Nirgendwo, an den Emilie ihre ahnungslose Schwester führt, wird von Kameramann Rob Hardy äußerst faszinierend eingefangen. Die barocke Schlossanlage samt Park soll den Personen, die hierherkommen, als "freie Zone" ohne das Urteil der Welt dienen, wie die von Rampling verkörperte Marina an einer Stelle erklärt. Ohne Urteil nähert sich auch Langseth dem Thema Sterbehilfe: Die Filmemacherin liefert keine eindeutigen Antworten, zeigt im Umgang mit den Gefühlen der Figuren aber die nötige Sensibilität.

Fazit: Ein eindrücklich in Szene gesetztes und engagiert gespieltes Drama, das sich seinem schwierigen Sujet feinfühlig widmet.




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