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Die Kleinste Armee der Welt
Die Kleinste Armee der Welt
© MG Film

Kritik: Die Kleinste Armee der Welt (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Martin Gerners Dokumentarfilm ist voller kleiner absurder Momente. Wenn Hamon und Marcus mit einem Turban auf dem Kopf, einem Gewehr über der Schulter, in Lederhosen und mit Schnabelschuhen an den Füßen durch Bayern und Österreich marschieren, dann wollen die politischen Aktivisten in erster Linie provozieren. Zunächst einmal sind ihre Performances aber unglaublich komisch. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich der Ernst dahinter. Obwohl Hamon in Deutschland aufgewachsen ist und seinen Doktor in Politikwissenschaften macht, kämpft der Afghane bis heute um einen deutschen Pass. Und der Münchner Marcus, ein bekennender Anti-Militarist, der ganz bewusst seinen Wehrdienst absolvierte, um in Uniform gegen Kriege zu demonstrieren, verzweifelt immer wieder am unreflektierten Umgang vieler mit dem deutschen Militarismus.

Gerner begleitet diese zwei Protagonisten mit der Kamera, ist dabei, wenn sie in Salzburg barfuß in die Marstallschwemme oder an einem See in ein vollbesetztes Ausflugsboot steigen und fängt die Reaktionen der Umstehenden ein. Die fallen erstaunlich gelassen aus, was Hamons und Marcus' Kritik ein wenig torpediert. Bis auf ein paar freundliche Nachfragen von Polizisten bleibt es ruhig. Ob das nach den Attentaten in Würzburg und Ansbach, die erst nach den Dreharbeiten verübt wurden, immer noch so aussähe?

Auf einen erklärenden Kommentar, Orts- und Namensangaben, Musik und zusätzliche Interviewpartner verzichtet der Film ganz bewusst. Nur ab und an stellt der Regisseur eine Frage aus dem Off. Ansonsten konzentriert er sich auf seine Protagonisten, filmt ihre Auftritte, streut ihre selbstgedrehten, satirischen Videos ein und lässt sie gemeinsam und allein zu Wort kommen. Dann zeigt sich, was die beiden im Innersten antreibt: Der Wunsch nach einem anderen, weltoffenen und friedlichen Deutschland jenseits aller Kriegsbeteiligungen und Fremdenfeindlichkeit.

In Zeiten globaler Flucht und Angst vor dem Fremden ist "Die kleinste Armee der Welt" ein gleichermaßen nachdenklicher wie amüsanter Beitrag zu einer aufgeheizten Debatte. Der Dokumentarfilm ist immer dann am stärksten, wenn die Provokateure auf Traditionalisten treffen. Dann zwingt er sein Publikum, die eigene Einstellung zu hinterfragen. Dabei wiederholt sich "Die kleinste Armee der Welt" aber recht schnell. Der Erkenntnisgewinn hält nicht bis zum Schluss vor. Trotz der kurzen Laufzeit hat der Film manche Länge.

Fazit: Regisseur Martin Gerner liefert mit "Die kleinste Armee der Welt" einen gleichermaßen ausgefallenen, nachdenklichen und amüsanten Beitrag zur Debatte um Flüchtlinge und deren Integration, der jedoch recht schnell etwas redundant wirkt.




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