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FBW-Bewertung: Widows - Tödliche Witwen (2018)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Spätestens wenn sich die Afroamerikanerin Veronica ? brillant: Viola Davis ? an den Tod ihres Sohnes erinnert, ist klar, dass WIDOWS von Oscar-Preisträger Steve McQueen mehr ist als eine Rache- und Emanzipations-Story, in der sich drei Frauen an ihren Erpressern rächen. Der Film entwirft ein stimmiges Panorama der Realität und des gesellschaftlichen Klimas in den USA.
Veronica ist ebenso wie Alice und Linda gerade Witwe geworden. Ihre Männer wurden nach dem Überfall auf das Wahlkampfbüro des schwarzen Kandidaten bei der Bürgermeisterwahl von der Polizei erschossen, die geraubten zwei Millionen Dollar gingen mit ihrem Van in Flammen auf. Doch Jamal Manning fordert das Geld von Veronica zurück, und das mit Nachdruck. Er setzt seine Killer auf ihre Vertrauten an, die auch vor einem Mord nicht zurückschrecken, um das Notizbuch von Veronicas Mann in ihren Besitz zu bringen. Darin hat er alle kriminellen Coups der Vergangenheit penibel notiert, auch den Plan für den nächsten Coup.
Um Jamal Manning auszuzahlen, wollen Veronica, Alice und Linda den Einbruch in die Villa von Mannings weißen Gegenkandidaten, dessen Familie seit 60 Jahren den Bürgermeister stellt, durchziehen. Dort lagern neben den zwei Millionen von Manning auch drei Millionen, die Jack Mulligan illegal beiseite geschafft haben. Für die Umsetzung ihres Plans brauchen die Frauen nun noch eine Fahrerin, die sie inder toughen Belle finden.
McQueens Thriller ist Hollywood Kino?at its best?. Die komplexe Story, die neben McQueen ?Gone Girl?-Autorin Gillian Flynn schrieb, ist dramaturgisch bis ins letzte i-Tüpfelchen stimmig und durchkomponiert. Sie ist raffiniert gebaut, führt den Zuschauer mehrmals in die Irre und überrascht mit unvorhersehbaren Wendungen. DerFilm ist grandios ausgestattet und überzeugt mit großen Kinobildern. Nicht zuletzt führt McQueen sein namhaftes Ensemble zu beeindruckenden Leistungen.
Inhaltlich ermöglicht die Geschichte der Emanzipation der drei Witwen, die sich aus dem Schatten ihrer Männer und deren kriminellen Milieu lösen wollen, einen Blick auf den amerikanischen Politikbetrieb, in dem Posten in Familien ?vererbt? werden. Hier ist ? wie auch in Clooneys IDEN DES MÄRZ ? jedesMittel Recht, um den Gegner zu schädigen. Selbstverständlich eine klare Anspielung auf aktuelle amerikanische und internationale Politskandale und Verwicklungen.
Der Film entlarvt quasi im Vorbeigehen den Filz von Politik, kriminellen Gangs und Polizei, gleichzeitig gibt dieser der Handlung ihre Dynamik. Der korrupten Männerwelt setzen die vier Frauen ihren Entwurf einer friedlichen Welt mit Familie und eigenem Auskommen entgegen. Das moralische Vergehen, das vor der Verwirklichung dieser Chance steht, verzeiht der Zuschauer den smarten und sympathischen Ladys daher gerne.
Auch die deutsche Synchronisation kann mit der künstlerischen Qualität des Films mithalten, mit dem Steve McQueen dem uramerikanischen Genre des Gangsterfilms ein Meisterwerk hinzufügt.



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