VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Nicht ohne uns! (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Regisseurin Sigrid Klausmann widmete sich mit diesem Film einem echten Mammut-Projekt. Die vielen, teils sehr anstrengenden Reisen auch in die entlegensten Winkel der Erde (u.a. in verschneite Berglandschaften, Kleinstädte und Provinzen), stellt sie in den Dienst ihrer Lebensaufgabe. Denn Klausmann sieht sich, wie sie selbst sagt, als "echte Lobbyistin für Kinder". Kinder und ihren Belange sowie deren unterschiedliche Lebensrealitäten – vor allem diesem Aspekt widmet sich die ehemalige Sportlehrerin und Tanzpädagogin in ihren Filmen. Klausmann ist die Ehefrau des bekannten deutschen Schauspielers Walter Sittler ("Nikola"). Sie möchte mit "Nicht ohne uns!" auch den Bildungsdurst und Wissenshunger der Protagonisten im Film verdeutlichen, die die Welt ein Stück besser machen wollen.

Die Anzahl der im Film vorgestellten Kinder sowie der Versuch, jedes so ausgiebig als möglich im jeweiligen Lebensumfeld und Alltag zu zeigen, machen klar: Klausmann und ihr Team brennen für das Thema. Es ist ihnen eine Herzensangelegenheit klar zu machen, wie die Schwächsten der Gesellschaft in völlig unterschiedlichen Teilen der Erde leben. Lobenswert ist die Mannigfaltigkeit der Länder und Regionen, die das Team besuchte. Hier reiht sich alles ein: von wohlhabenden westlichen Industriestaaten wie den USA oder Deutschland über ärmere asiatische Länder wie Laos bis hin zu Staaten Afrikas und sogar einigen des Nahen Ostens (Irak, Jordanien).

Als ebenso abwechslungsreich erweisen sich die Kinder und ihre Geschichten. Da gibt es z.B. die kleine Rebekka, die in einem idyllischen Schweizer Dorf lebt und davon träumt, später als Tänzerin zu arbeiten. Oder Vincent aus Österreich, dem der Klimawandel zu denken gibt. Trotzdem will er sich später einmal des elterlichen Betriebs in den österreichischen Bergen, annehmen. Besonders zu Herzen gehen die Bilder des HIV-positiven Luniko. Er stammt aus einem südafrikanischen Millionen-Township. Trotz seiner Krankheit und der ärmlichsten Verhältnisse, in denen er mit seiner Familie lebt, hat er seinen Humor und sein strahlendes Lächeln nicht verloren. Ein anderer Junge braucht jeden Tag zwei Stunden zu Fuß zu seiner Schule – für EINE Strecke, wohlgemerkt.

Klausmann gelingt es, das Vertrauen der Kinder zu gewinnen. Die jungen Protagonisten äußern sich jederzeit freimütig, sympathisch und offen über ihr Leben und ihre Sorgen. Die Kamera wird zu einem Teil ihres Alltags und sie lassen es zu. Und: die Regisseurin scheut sich auch nicht, traurige und weniger heitere Themen anzusprechen. Schließlich gehören ein paar dieser Themen – leider – auch zum Alltag einiger der Kinder: z.B. Umweltverschmutzung, Prostitution, Krieg, Gewalt und Kinderarbeit.

Der Film hat eigentlich nur ein Problem: die Fülle an Themen und vor allem auch an Kindern, könnten den ein oder anderen Zuschauer überfordern. Das Ziel, eine möglichst hohe Vielfalt und Unterschiedlichkeit an Protagonisten und Regionen abzubilden, ist löblich und ehrbar. Allerdings sorgt dieser Umstand hier und da auch für Reizüberflutung und hat fast etwas Aufzählendes und Aneinanderreihendes. Weniger wäre mehr gewesen. Allerdings ist dies auch Meckern auf hohem Niveau, denn es stellt ein Luxusproblem dar. Und: um die vielen, verschiedenen Lebensumstände der Kinder auf der Welt aufzuzeigen, reichen nun einmal nicht vier oder fünf Beispiele. 15 hätten es aber eben auch nicht sein müssen. Klar ist: es ist stets ein schwieriger Drahtseilakt, die richtige Balance zwischen Informationsvielfalt und nicht zu überladenem bzw. ausuferndem Inhalt, zu finden.

Fazit: Obwohl die Konzentration auf weniger Protagonisten ratsam gewesen wäre, ist "Nicht ohne uns!" ein sehr sehenswerter und wichtiger Film für Erwachsene und Kinder. Die differierenden Schauplätze und interviewten Protagonisten verschaffen einen allumfassenden, informativen Einblick in die Lebenswelten von Kindern an den unterschiedlichsten Orten der Erde.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.