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Kritik: Haunted (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die in den Medien als "Syrienkrieg" bezeichnete Auseinandersetzung vieler beteiligter, religiöser Gruppen und Anhänger in dem vorderasiatischen Staat, geht bald ins sechste Jahr. 400 000 Menschen fielen den Konflikten bislang zum Opfer und die in Moskau geborene Regisseurin Liwaa Yazji versucht mit "Haunted", die Unschuldigsten aller Leidtragenden ins Zentrum zu rücken: die Zivilbevölkerung. Yazji, die in Damaskus Theater studiert hat, feiert mit "Haunted" ihr Debüt als Regisseurin. Zuvor arbeitete sie u.a. als Schauspielerin und Dramaturgin.

"Haunted" zeigt auf, was ein Krieg wie der in Syrien – bei dem nicht zuletzt auch die unbeteiligte und unschuldige Zivilbevölkerung immer wieder ins Visier gerät – mit den Menschen macht. Der Film konzentriert sich auf die Einzelschicksale hinter den immer gleichen, unpersönlichen und letztlich doch schwer greifbaren Meldungen und Berichten aus den Medien. Und das tut er auf vielseitige, immer wieder auch zutiefst erschütternde Weise. Regisseurin Yazji lässt ganz unterschiedliche Personen zu Wort kommen, die sich in ebenso vielfältigen Situationen und Lebensrealitäten befinden. So z.B. ein nach der Flucht in der Sperrzone gelandetes Paar, das nur per Video-Chat über Skype zu erreichen ist. Oder ein Mann in seiner Wohnung in Damaskus, der seit langer Zeit auf "gepackten Koffern" sitzt und nur darauf wartet, flüchten und damit sein Haus sowie alle Habseligkeiten zurücklassen zu müssen.

Besonders beklemmend und befremdlich muten die Szenen an, die sich bei dem geflüchteten Paar in ihrer einfachen, provisorischen Unterkunft abspielen: zwischen Taschen und Tüten voller Klamotten, persönlicher Wertgegenstände und anderer Habseligkeiten versuchen sie, so normal als möglich weiterzumachen bzw. weiterzuleben. Die Waschmaschine dreht sich, der Fernseher läuft. Alltag in einem – wie es der Filmverleih ganz passend beschreibt – "physischen und mentalen Nirgendwo". Die Flüchtlingen leben in einem unwirklichen Schwebezustand: von einem Ort zum anderen, ohne sich irgendwo dauerhaft niederlassen und zuhause fühlen zu können. Bemerkenswert ist, dass der Film schon 2014 gedreht wurde. Nichts scheint sich seitdem verändert zu haben. Die gegenwärtige Nachrichtenlage lässt diesen Schluss zumindest zu.

Außergewöhnlich eindringlich sind zudem die Aufnahmen, die Yazji von den leer stehenden, teils zerstörten und bis zur Unkenntlichkeit zerbombten Häuser und Wohnungen, gemacht hat. Entstanden sind bedrohliche und teils atmosphärisch anmutende Bilder, denen man sich aufgrund ihrer unheimlichen Stimmung, kaum entziehen kann. Wir sehen auf dem Boden liegenden Schutt, schwer verwüstete Räume, durchlöcherte Wände, offene Decken – und zwischen all dem toten Stein, dem Chaos und der Verwüstung zeugen persönliche Gegenstände wie Kleidung, Fotos oder Spielzeug von den Menschen, die hier einst ihr Zuhause hatten.

Fazit: Mutige, vielseitige Kriegs-Dokumentation über die Folgen des Syrienkriegs für die unbeteiligte, unschuldige Zivilbevölkerung mit nachdrücklich-beklemmenden Bildern, die in Erinnerung bleiben.






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