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Kritik: So was von da (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Regisseur Jakob Lass ("Love Steaks") stellt fest: "Das Nachtleben ist immer beides, euphorisch und verzweifelt." Sein Spielfilm, der auf dem gleichnamigen Roman des ehemaligen Clubbetreibers Tino Hanekamp basiert, schildert diese zwei Seiten einer rauschenden Club-Silvesterparty auf intensive Weise. Mit ihr feiert die Hauptfigur Oskar zugleich Abschied von einem erfüllten Abschnitt seines Lebens, denn der Club muss schließen. Oskar weiß nicht, wohin, sondern nur, dass er wegen seiner Schulden die Stadt wohl verlassen muss. Auch seine Freunde Rocky und Nina sind an einer Bruchstelle angelangt. Mathilda, Oskars Ex-Freundin, droht ihm wieder den Kopf zu verdrehen, doch dann gibt Oskar der Party Vorrang. Dieses unbeschwerte Gefühl der Freiheit - manchmal auch nur die Sehnsucht danach - zieht sich durch den ganzen Film mit seinen improvisierten Dialogen.

Oskar ist mal hier, mal da, schaut nach dem Rechten, geht nicht ans Telefon, wenn Kiez-Kalle anruft, liefert sich mit Pablo eine eklige Schlacht in der überschwemmten Toilette. Dann wieder küsst er Mathilda beim Tanzen, verarztet Ninas Fuß, schmeißt ein paar Tabletten ein. Ein Wunder, dass Oskar die Nacht überhaupt durchhält, nach allem, was er so konsumiert. Aber dieser Rauschzustand erklärt zumindest seine schnell wechselnden Stimmungen und Ansichten, die innere Suche nach Orientierung, die einem Erkundungstrip gleicht. In Voice-Over trägt Oskar häufig seine halbphilosophischen Gedanken vor, denn zum Reden kommen die Charaktere im Club nur sporadisch. Sie wirken insgesamt dünn gezeichnet.

Das Partygeschehen wird auf impressionistische Weise eingefangen. Die häufigen Überblendungen, Unschärfen, das Stakkato der Schnitte, die wechselnden Farben, die die ganze Szenerie fluten, haben eine subjektive Ebene. Oskar, dem die Kamera folgt, taucht ins Geschehen ein, lässt sich fallen, steigt wieder aus, um es staunend und unsicher zu betrachten. Akustisch dominiert Live-Musik mit rockigen Klängen. Aber es gibt auch Szenen, die sich wie in Trance ohne Originalton abspielen, aber mit einer elektronischen Musik, die sich darüberlegt. Um den Rausch dieser Nacht bestmöglich auf sich wirken zu lassen, sollte man den Film auf der großen Leinwand betrachten, denn mehr als diesen hat er auch nicht zu bieten.

Fazit: Jakob Lass hat den gleichnamigen Roman von Tino Hanekamp verfilmt, indem er die Abschiedsparty eines Hamburger Clubs, der schließen muss, in rauschhaften Bildern zum Leben erweckt. Der Clubbetreiber Oskar will mit seinen Weggefährten den Moment voll auskosten und sich nicht von Gedanken an den nächsten Morgen ablenken lassen. Die zwischen Hochs und Tiefs wogende Stimmung, die von Alkohol und Drogen benebelten Sinne, die Musik und die Lichtchoreografie, das kollektive Erleben bescheren dem Protagonisten intensive, aber flüchtige Erkenntnisse. Die Atmosphäre zählt in diesem Film mehr als die nur spärliche Charakterzeichnung.







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