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Geschichten aus Teheran
Geschichten aus Teheran
© eksystent distribution filmverleih

Kritik: Geschichten aus Teheran (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die iranische Filmemacherin Rakhshan Bani-Etemad gehört zu den etabliertesten Regisseurinnen der arabischen Welt. Sie war die erste Frau, die auf dem Teheraner Filmfestival den Preis für die beste Regie erhielt. Eines ihrer bis heute bekanntesten Werke ist "Under the skin of the city", der sich zum erfolgreichsten iranischen Film im Jahr 2000 entwickelte. Mit "Geschichten aus Teheran" versucht sie, ein aktuelles, zeitgenössisches Bild vom Leben in der iranischen Metropole zu zeichnen. Seit den frühen 90er-Jahren bzw. seit dem Gewinn des Teheraner Filmfests (1991), ist Bani-Etemad ein gern gesehener Gast auf internationalen Filmfestspielen. "Geschichten aus Teheran" lief 2014 im Wettbewerb der 71. Filmfestspiele in Venedig.

Prostituierte, Arbeiter, Büroangestellte, Studenten, Intellektuelle – sie alle kommen in "Geschichten aus Teheran" vor und bilden damit einen umfassenden Querschnitt der unterschiedlichen gesellschaftlichen Stände und Schichten der rund 14-Millionen-Einwohner zählenden Megacity. Als Zuschauer erhält man einen intensiven Einblick in deren Alltag und Leben, das sich mitunter alles andere als leicht gestaltet. An dieser Stelle funktioniert der Film ganz hervorragend, da er sich nicht nur auf eine soziale Stellung oder Personengruppe beschränkt. Stattdessen zeigt er ausführlich auf, welche Masse an mannigfaltigen Personen mit völlig andersartigem – familiärem wie auch finanziellem – Background, sich in der iranischen Hauptstadt tummelt.

Was sie alle eint ist die Suche nach dem persönlichen, individuellen Glück sowie der Versuch, trotz aller (gesellschaftlichen oder bürokratischen) Hindernisse, das Leben zu meistern. Die Episoden sind in Sachen Intensität und Emotionalität nicht alle gleich stark und aufwühlend. Besonders gelungen und emotional mitreißend sind jene Geschichten, in denen immer wieder auch eines klar wird: dass das Land in den letzten Jahren zwar fortschrittlicher geworden aber trotzdem noch meilenweit von gesetzlicher Gleichberechtigung und Gleichstellung sowie einer offenen und toleranten Gesellschaft, entfernt ist. Außergewöhnlich packend ist die Episode um die Sozialarbeiterin Nargess geraten, deren Gesicht entstellt wurde. Sie versteckt sich in einer Frauenklinik vor Peiniger und wähnt sich in Sicherheit – bis ihr brutaler, aufgebrachter Ex-Mann, der ihr das antat, vor der Tür steht und randaliert.

Die Hauptpersonen – und damit die Episoden – wechseln oft innerhalb von Minuten. Stehen für rund fünf Minuten zwei sich unterhaltende Personen in einer U-Bahn im Mittelpunkt, folgt die Kamera kurz darauf einem Mann aus der Bahn und wird für eine gewisse Zeit zu einem Begleiter seines Alltags. Diese interessante, da rasante Herangehensweise bzw. Inszenierung, die zudem keine Langeweile aufkommen lässt, hat jedoch einen Nachteil: aufgrund des schnellen Wechsels der Geschichten bzw. Hauptfiguren, können nur selten echtes Mitgefühl und Nähe zu den Protagonisten entstehen. Ist man tief in den Kosmos eines bestimmten Individuums eingetaucht und beginnt, sich in sie hineinzufühlen, folgt sogleich der Schnitt auf eine andere Figur und eine neue Episode nimmt ihren (kurzen) Lauf.

Fazit: Aufschlussreicher, facettenreicher Einblick in den Alltag ganz unterschiedlicher Menschen in der iranischen Metropole Teheran. Der zügige Wechsel zwischen den Figuren und Episoden sorgt für Abwechslung aber auch dafür, dass man sich den Protagonisten nur selten wirklich nahe fühlt.




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