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Wenn der Vorhang fällt (2016)

Dokumentarfilm über die Geschichte des deutschen Hip-Hops.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Mehr als drei Jahrzehnte nach seinen Anfängen ist Hip-Hop in der deutschen Musiklandschaft längst etabliert, ja ein großes Geschäft. Das ruft die Dokumentaristen auf den Plan. Nach Sékou Nebletts "Blacktape" (2015) wirft nun ein zweiter Kinofilm einen Blick auf die Geschichte des deutschen Sprechgesangs. Während Neblett seine (Pseudo-)Dokumentation spielerisch, als Mischung aus Fakten und Fiktion, anging, geht Regisseur Michael Münch ganz klassisch vor. In vier Kapiteln schreitet er die Epochen des Deutschrap von seinen Anfängen bis in die Gegenwart ab und bittet zahlreiche Vertreter der Szene - von Toni-L, Smudo, Moses Pelham und den Stieber Twins über Max Herre, Blumentopf und Samy Deluxe bis zu Sido, Marteria und Prinz Pi - vor seine Kamera.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Gemessen an anderen Musikrichtungen ist die Geschichte des deutschen Hip-Hops eine kurze. Um alle Entwicklungen dieser Zeitspanne auch nur annähernd abzubilden, reicht ein einziger Film trotzdem nicht aus. Das zeigt schon die Anzahl an Künstlern, die Regisseur Michael Münch für "Wenn der Vorhang fällt" vor seiner Kamera versammelt hat. Fachfremden mag bereits die schiere Masse der Interviewpartner zu viel sein, Kenner der Szene wundern sich hingegen, wer alles fehlt. Einige davon dürften ihre Teilnahme an Münsch Projekt schlicht verweigert haben. Über die meisten von ihnen wird aber immerhin gesprochen.

Das Reden übernehmen in Münchs Film die Musiker. Auf einen Kommentar aus dem Off und weitere Experten wie etwa Journalisten oder Produzenten verzichtet der Regisseur. Angesichts so kluger Analysen von Künstlern wie Toni-L (Advanced Chemistry), Smudo (Die Fantastischen Vier), DJ Mad (Absolute Beginner), MC René, aber auch Moses Pelham (Rödelheim Hartreim Projekt), ja selbst Sido ist der Blick von außen auf die Szene auch nicht zwingend nötig. Die Einteilung in verschiedene Epochen, an denen sich die Interviewpartner in der Rückschau entlanghangeln, macht selbst dem in Sachen Hip-Hop unbeflissenen Publikum vieles dieser Musik, ihre Herkunft, ihre Verbrüderungen und ihre Grabenkämpfe verständlich.

Was die Musik selbst betrifft, bleibt "Wenn der Vorhang fällt" aber viel zu abstrakt. Bis auf ein paar alte Archivaufnahmen und zwei Ausschnitte aus Musikvideos kommt schlicht kein Hip-Hop vor. Wer die Songs, über die gesprochen wird, nicht im Ohr hat, dürfte es äußerst schwer haben, immer alles nachzuvollziehen.
Auch in zwei weiteren Punkten hätten dem Gesagten Ergänzungen gutgetan: Warum sich erste Zentren gerade in Städten wie Stuttgart und Hamburg herausbildeten, beantwortet der Dokumentarfilm ebenso wenig wie die Frage nach der Rolle weiblicher Interpreten. Die finden in "Wenn der Vorhang fällt" ebenso wenig statt wie die schmerzlich vermisste Musik.

Fazit: Michael Münchs Dokumentarfilm "Wenn der Vorhang fällt" gibt einen klugen, von wichtigen Künstlern selbst analysierten Überblick über die Geschichte des deutschen Hip-Hops, blendet dessen Vertreterinnen allerdings komplett und viel zu viel der besprochenen Musik aus.




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Land: Deutschland
Jahr: 2016
Genre: Dokumentation
Länge: 79 Minuten
Kinostart: 30.03.2017
Regie: Michael Münch
Darsteller: Sido, Smudo, Afrob
Verleih: Zorro Film, 24 Bilder

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