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Letzte Tage in Havanna
Letzte Tage in Havanna
© Kairos Film © trigon-film

Kritik: Letzte Tage in Havanna (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In "Letzte Tage in Havanna" befasst sich der vielfach ausgezeichnete Kubaner Fernando Pérez ("Das Leben, ein Pfeifen", "Suite Habana") abermals mit seiner Heimat. Zusammen mit Abel Rodríguez schrieb er das Drehbuch, das von Freundschaft und nachbarlicher Unterstützung sowie vom Sterben und von abgestorbenen Träumen erzählt. Der Ton pendelt gekonnt zwischen traurig-resigniert und schwarzhumorig. Die Bilder, in denen Pérez und der Kameramann Raúl Pérez Ureta die Hauptstadt des Landes einfangen, lassen den Verfall der Gebäude sowie die Armut der Menschen erkennen; zugleich wird jedoch auch demonstriert, dass die Leute den widrigen Umständen zu trotzen versuchen – durch Tanz oder Gesang, durch ungeniertes Benehmen und kecke Sprüche sowie, nicht zuletzt, durch gegenseitige Hilfe.

Die beiden Männer im Zentrum der Geschichte sind als Gegensätze angelegt: Miguel ist introvertiert, Diego extrovertiert. Obwohl Diego weiß, dass seine Tage (bedingt durch seine Krankheit) gezählt sind und er sein Zimmer deshalb nur noch tot beziehungsweise zum Sterben verlassen wird, wirkt er energischer als sein langjähriger Freund Miguel – da seine Libido und sein Herz noch lebendig sind, wie Diego selbst an einer Stelle anmerkt. Jorge Martínez ("Viva") gibt dem schlagfertigen Diego die richtige Mischung aus Fatalismus, Witz und Stärke; Patricio Wood verkörpert den auf ein US-Visum wartenden Miguel, der sich verzagt durch den Alltag bewegt, indes mit der erforderlichen Schwere.

"Letzte Tage in Havanna" ist in gewissem Sinne ein buddy movie in der Form eines Kammerspiels. Allerdings wird das Duo von diversen Figuren flankiert, die aus Pérez' Film auch ein reizvolles Ensemblestück machen. So haben etwa die Nachbarinnen Fefa (Carmen Solar) und Miriam (Yailene Sierra) aus dem großen Mietshaus sowie Diegos exzentrische Tante Clara (Coralia Veloz) prägnante Auftritte; als wunderbare Szenendiebin erweist sich überdies die Leinwanddebütantin Gabriela Ramos in der Rolle der 15-jährigen Rebellin Yusisleydis, die mit losem Mundwerk gegen die Tristesse ankämpft.

Fazit: Ein Film über Freundschaft, der in melancholischen Bildern den Zustand eines Landes zeigt und mit seinen interessanten Figuren überzeugend zwischen Tragik und Trotz balanciert.




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