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On the Beach at night alone
On the Beach at night alone
© Grandfilm

Kritik: On the Beach at Night Alone (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "On the Beach at Night Alone" legt der südkoreanische Autorenfilmer Hong Sang-soo ein überaus persönliches Werk vor – denn indem er von der (beendeten) Affäre zwischen einer jungen Schauspielerin und einem älteren, verheirateten Regisseur erzählt, spielt er auf Ereignisse aus seinem eigenen Privatleben an: Das Verhältnis zwischen ihm und seiner Hauptdarstellerin Kim Min-hee, welches bei den Dreharbeiten zu "Right Now, Wrong Then" (2015) begann, löste in seiner Heimat einen Skandal aus. Ferner kommt die in zwei Abschnitte unterteilte Geschichte und deren Umsetzung als typische Hong-Sang-soo-Schöpfung daher: Es wird – wie etwa auch in "Yourself and Yours" (2016) – viel gegessen und reichlich Alkohol getrunken; es geht um Frauen, Männer und die (Un-)Möglichkeit der Liebe.

Zwei Kameramänner – Park Hong-Yeol und Kim Hyung-koo – waren für "On the Beach at Night Alone" im Einsatz. Im ersten Kapitel wird der Hamburg-Aufenthalt der aus Seoul stammenden Protagonistin Young-hee in einnehmende Bilder gefasst: Ein Straßenmarkt, ein Park und ein kleiner Buchladen in der norddeutschen Hafenstadt dienen unter anderem als Kulissen für Dialogsituationen; die Figuren reden über Einsamkeit und Leidenschaft, oft aber auch über völlig Alltäglich-Banales. Dies wird indes niemals langweilig, da hier ganz wunderbar die Unbeholfenheiten in der zwischenmenschlichen Kommunikation erkennbar werden. Nach einer rätselhaften Schlussaufnahme setzt sich Young-hees Reise in der zweiten Hälfte in Gangneung fort; hier wechselt die Stimmung innerhalb der diversen Gespräche oft recht abrupt vom Ausgelassen-Heiteren zum Bitter-Traurigen (und wieder zurück) – was nicht selten dem ausgiebig konsumierten Bier geschuldet ist. Diese Schwankungen sorgen für emotionale Spannung und im besten Sinne für Irritationen und Witz; als Zuschauer_innen können wir kaum einschätzen, welchen Verlauf die Wortwechsel wohl nehmen werden.

Die auf der Berlinale 2017 mit dem Silbernen Bären als beste Darstellerin ausgezeichnete Kim Min-hee ("Die Taschendiebin") verkörpert die mit Melancholie erfüllte Young-hee in ihrer erstaunlich direkten Art großartig. Die Figur ist herrlich facettenreich und lässt uns ihre seelische Bedrückung spüren.

Fazit: Ein Film, der von den Konversationen, den genauen Beobachtungen und den leicht verträumten Bildern lebt und in Kim Min-hee eine bezaubernde Hauptdarstellerin hat.





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