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Beat Beat Heart
Beat Beat Heart
© Daredo Media GmbH

Kritik: Beat Beat Heart (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Mit "Beat Beat Heart" legt die 1985 geborene Luise Brinkmann ihr Langfilmdebüt und zugleich ihr Abschlusswerk an der Internationalen Filmschule Köln (ifs) vor. Der in der Uckermark gedrehte Mix aus melancholischen und überaus witzigen Momenten entstand auf Basis eines 30-seitigen, von Brinkmann geschriebenen "Handbuchs"; die Dialoge wurden weitgehend improvisiert. Das Ergebnis ist ein durch und durch wahrhaftig anmutendes Kinostück, welches sowohl das inszenatorische Talent der Regisseurin als auch das Können des Ensembles zu demonstrieren vermag. Obendrein wissen Brinkmann und ihr Kameramann Mathis Hanspach den Schauplatz des Geschehens optimal zu nutzen und finden seelenvolle, treffende Bilder für die Gefühlszustände der Figuren.

Der Film widmet sich verschiedenen Auffassungen von Liebe – von dem Glück und der Freude, den Freiheiten und Pflichten, den Herausforderungen und Schwierigkeiten, die mit ihr verbunden sind. Er zeigt Menschen – nicht nur dramaturgische Funktionsträger_innen! –, die Trennungen zu verarbeiten haben und bei aller Bedrückung doch nicht bereit sind, einfach aufzugeben. Klassische Romantik wird dabei mit modernem Pragmatismus konfrontiert. Um die befremdliche Methodik einer Dating-App zu visualisieren, wird das virtuelle Flirten kurzerhand in einen Wald verlegt, in welchem an jedem Baum ein love interest zur Verfügung steht. Bis hin zum Chaos-Finale auf einem typischen Dorffest schafft es "Beat Beat Heart", die Verrücktheiten, die wir aus Liebe beziehungsweise der Sehnsucht danach tun, glaubwürdig einzufangen.

Hauptdarstellerin Lana Cooper, die etwa schon in Jakob Lass' "Love Steaks" oder in Leonie Krippendorffs "Looping" einen tiefen Eindruck hinterlassen konnte, spielt die romantisch veranlagte Protagonistin mit der nötigen Hingabe; sie lässt uns Kerstins Liebeskummer, Frustration, aber auch das Hoffen und (erneute) Lodern spüren. Ebenso wunderbar und facettenreich agiert Saskia Vester als Charlotte, die sich in einer interessanten Mischung aus Kühn- und Unbefangenheit in den Dating-Kosmos und das Kennenlernen neuer Männer wirft. Christin Nichols als amouröser Freigeist und Aleksandar Radenkovic als grüblerisch-sanftmütiger Nachbar liefern perfekt unterstützende Performances.

Fazit: Ein rundum gelungenes Filmprojekt, das die Improvisationskunst feiert und sich klug mit der Liebe im Hier und Heute, mit dem Schmerz und den Hoffnungsfunken auseinandersetzt. Bravo!





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