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FBW-Bewertung: Ein Sack voll Murmeln (2017)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Das auf Joseph Joffos autobiografischen Roman beruhende Drama EIN SACK VOLL MURMELN entspricht nach Ansicht der Jury in allen Belangen auf höchstem Niveau den Anforderungen des Konzepts, Kino als Illusionsmaschine zu gestalten. Die Affekte werden aufs Präziseste angesprochen, die Identifikation mit Figuren und Motiven fast schwellenlos ermöglicht, und die künstlerische Umsetzung unterstützt in Perfektion das Abtauchen in die gestaltete Welt.
Handwerklich ist der Film außergewöhnlich gut gelungen: Die Ausstattung erschafft vor dem historischen Hintergrund eine eigene, sorgfältig gestaltete und in sich stimmige Welt, in die hinein die Kamera in epischem Pathos Emotionen aus Licht, Farben und Atmosphären malt. Zusammen gehalten wird all das von einem ausgereiften?Continuity Editing? das den Zuschauer aus dem erzählerischen Sog nicht mehr entlassen will, den ein die Klaviatur der Dramaturgie virtuos bedienendes Drehbuch entfacht hat. Die Schauspieler schließlich fügen sich derart geschmeidig in diese Vorgaben ein, dass die Identifikation leicht fällt. Das Drehbuch gibt ihnen zudem immer wieder die Möglichkeit, Ausdruck über ihr Spiel zu geben und nicht zwingend über den Dialog. Kurz gesagt: Die Emotionalisierungsmaschinerie läuft auf Hochtouren und verfehlt ihre Wirkung dank des perfekten Zusammenspiels der Gewerke nicht.
Die Kehrseite vonÄsthetisierung und Emotionalisierung stellt zumeist einen gewissen Mangel an Differenzierung dar ? und auch in diesem Fall möchte die Jury anmerken, dass die Figurenzeichnung oftmals im Schwarzweiß verbleibt. Im Grunde gibt es niemanden im Film, der sich nicht entweder aufrichtig und integer oder verräterisch verhält. Da sich aber wie oben beschrieben die wahre Geschichte, die dem Film zugrunde liegt, sehr kunstvoll zu einem filmischen Märchen verdichtet, diskutiert die Jury dies als stimmiges und legitimes Vorgehen und vergibt dem Film gerne das Prädikat besonders wertvoll.



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