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In the Blood
In the Blood
© Kulturprojektor

Kritik: In the Blood (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Rasmus Heisterberg gibt mit "In the Blood" sein Regiedebüt. Bislang war der Drehbuchautor, zu dessen bekanntesten Filmen Niels Arden Oplevs "Verblendung" (2009), Nikolaj Arcels "Die Königin und der Leibarzt" (2012) und Mikkel Nørgaards "Schändung" (2014) zählen, vornehmlich im Thriller- und Horrorkino unterwegs. In seinem Coming-of-Age-Drama lässt er sich nun deutlich mehr treiben, hetzt nicht von einem Spannungsmoment zum anderen.

Heisterbergs Geschichte einer Freundschaft, die das Ende eines Studiums nicht übersteht, die auseinanderbrechen muss, weil sich die Charaktere auseinandergelebt haben, funktionierte genauso gut als Liebesgeschichte. Die euphorische Aufbruchstimmung bei gleichzeitiger Orientierungslosigkeit scheint besonders in der gegenwärtigen Generation junger Menschen ein Problem. Regisseur Matthias Starte erzähte im vergangenen Oktober in den deutschen Kinos in seinem Spielfilmdebüt "Nirgendwo" eine ganz ähnliche Geschichte. Ja selbst visuell geht der Däne ähnliche Wege wie sein deutscher Kollege, wenn er auf mit Musik oder Voice-over unterlegte Montagesequenzen setzt, anstatt in den Dialogen zu verweilen. Heisterbergs Look bleibt allerdings rauer, naturalistischer und nicht durchweg überzeugend.

Was an beiden Geschichten auffällt, ist das Milieu in dem sie angesiedelt sind. Auch die Probleme in "In the Blood" sind die der besseren Gesellschaft. Heisterbergs Studenten müssen für ihre Monatsmiete keinen Jobs nachgehen, sie haben ihre Wohnung vielmehr gemeinsam gekauft. Zwischen Liebesqual und Unifrust haben sie stets genügend Geld zum Zechen zur Verfügung – egal ob während eines Musikfestivals oder eines Kurztrips in Berlin.

Was Heisterbergs "In the Blood" Startes "Nirgendwo" voraus hat, sind deutlich besser ausgearbeitete Charaktere, die trotz all ihrer für die Dramaturgie notwendigen Differenzen nie wie am Reißbrett entworfen scheinen. Simon (Kristoffer Bech) und Knud (Elliott Crosset Hove), Søren (Asken Bang) und Esben (Mads Reuther) wirken echt, als ob Heisterberg seinen Kameramann Niels Thastum einfach mal losgeschickt hätte, den vier Jungs in ihrer Wohngemeinschaft über die Schulter zu blicken. Es ist ein melancholischer Blick, der sich ganz am Ende in einen hoffnungsvollen wandelt.

Fazit: Drehbuchautor Rasmus Heisterberg wirft in seinem Regiedebüt einen melancholischen, am Ende hoffnungsvollen Blick auf die junge Generation. Was "In the Blood" visuell vermissen lässt, macht das Drama durch seine Figurenzeichnung und die Darsteller wett.




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