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Sympathisanten
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Kritik: Sympathisanten: Unser Deutscher Herbst (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Rote Arme Fraktion (RAF), ihre Verbrechen und deren Opfer beschäftigen die Öffentlichkeit bis heute. Auch im Kino wird diese Thematik nicht alt. In diesem Jahr lief bereits Gerd Kroskes hervorragender Dokumentarfilm "SPK Komplex", der ein Schlaglicht auf das titelgebende Sozialistische Patientenkollektiv und dessen Verflechtungen mit der RAF warf. Felix Moeller beleuchtet nun die Rolle der sogenannten "Sympathisanten", eine Wortschöpfung, die es vor dem Deutschen Herbst nicht gab, zu denen seine Mutter und sein Stiefvater, die Filmemacher Margarethe von Trotta und Volker Schlöndorff, zählten.

Dass auch Moellers Film nur ein kleiner Stein in einem komplexen politischen, sozialen und kulturellen Mosaik sein kann, betont der Regisseur ebenso, wie es die überschaubare Auswahl der von ihm Befragten klarmacht. Anhand der Tagebücher seiner Mutter, die diese selbst aus dem Off vorträgt, und Archivaufnahmen, die viel um die Filmemacher jener Tage und um Schriftsteller Heinrich Böll kreisen, arbeitet sich Moeller chronologisch durch die Zeit. Kapitelüberschriften, die von "Der geistige Vater der Gewalt" bis zum "Nachglühen" reichen, verleihen seinem Film zusätzlich Struktur.

Moellers Nähe zu den von ihm Befragten, wenn er mit Marius Müller-Westernhagen locker auf der Couch oder mit seiner Mutter Margarethe von Trotta nicht ganz so locker in einer ehemaligen Gefängniszelle sitzt, schaffen auch beim Publikum eine große Nähe. Da der Regisseur kritisch nachhakt und wo nötig auch in Opposition tritt, erwächst aus dieser Nähe kein Problem. Die Interviewpartner zeigen aber ohnehin, wie reflektiert und unaufgeregt sie die Ereignisse in der Rückschau betrachten. Was die verhärteten Fronten der politischen Lager, denunzierende Sprache und undifferenzierte Pauschalisierung betrifft, ist Moellers Film ein mahnendes Lehrstück für die Gegenwart.

Fazit: Felix Moellers Dokumentarfilm ist die sehr persönliche Aufarbeitung einer gesellschaftspolitisch aufgeheizten Zeit. Da alle Befragten einen kühlen Kopf bewahren und wie Moeller selbst klug reflektieren und analysieren, wird "Sympathisanten" zu einem aufschlussreichen Lehrstück nicht nur über eine vergangene Epoche, sondern auch über die Gegenwart.




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