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Kritik: Alte Jungs (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Diese fidele Seniorenkomödie von Regisseur und Co-Autor Andy Bausch hat Seltenheitswert. Sie ist nämlich durch und durch luxemburgisch, angefangen vom Schauplatz über die Darsteller bis zur Sprache der Originalversion, die untertitelt werden muss, um hierzulande wirklich verstanden zu werden. Die titelgebenden alten Jungs sind außerdem Luxemburger Originale, die ihren Kleinstaat gut kennen und aktuelle Phänomene meistens aus der regionalen Perspektive kommentieren. Die Freunde, die sich ihre Freiheit nicht von schnöden Altenheim-Hausordnungen einschränken lassen wollen, entwickeln einen vergnüglichen Tatendrang, um ihre Wohngemeinschaft zu gründen. Damit ähneln sie den unverzagten, an neuen Wegen interessierten Altersgenossen in Komödien wie "Best Exotic Marigold Hotel", "Und wenn wir alle zusammenziehen?" oder auch "Abgang mit Stil".

Die Spielfreude des männlichen Darstellerquartetts manifestiert sich unter anderem in einem lustig-vertraulichen Miteinander der Charaktere, in dem die Dialoge wie aus dem Leben gegriffen wirken. Man redet über dies und das, flicht Bemerkungen und Witze ein, die vom Thema abweichen oder ein neues eröffnen, ganz wie im Alltag. Die Bonmots der Alten und ihre ironischen Spitzen auf den Zeitgeist und die Borniertheit der Jungen sind immer wieder erfrischend. Der Film könnte als Schmunzelkomödie durchaus funktionieren, tut es aber leider nur punktuell oder phasenweise. Es gibt so wahnsinnig viel, was den Senioren in die Quere kommt, von Problemen mit den Behörden bis zum Ärger mit der Erbtante. Und solche Volten kommen oft ziemlich unvermittelt – zum Beispiel hat Nuckes nie an die Erbtante gedacht, die er jetzt auf Betreiben seiner Freunde aufsucht, um sie schon mal anzupumpen. Zuweilen verzettelt sich die Handlung dermaßen auf Nebenschauplätzen, dass sie fast zum Erliegen kommt. Nach einer Weile ratlosen Zuschauens muss das Publikum befürchten, dass die Alten das Projekt zu Lebzeiten nicht mehr verwirklichen werden.

Und so wird die Betulichkeit, die einer Seniorenkomödie ja durchaus gut zu Gesicht steht, hier streckenweise zerdehnt und überstrapaziert, bis sie nur noch langweilt. Dann droht einem das Geschehen zu entgleiten, weil man dem Geplänkel nicht mehr mit voller Aufmerksamkeit folgen mag.

Fazit: Das Originelle an dieser Seniorenkomödie über ein paar Freunde, die ihr eigenes, autonom geführtes Heim gründen wollen, ist der luxemburgische Dialekt und Regionalbezug. Regisseur Andy Bausch führt sein gut gelauntes Darstellerteam durch eine mäandernde Geschichte, deren Dialogwitz für eine heitere Grundstimmung und punktuelle Treffer sorgt. Aber die Handlung kommt nicht recht voran und die Charaktere lassen sich ablenken von Dingen, die eben auch interessant sind, aber nur für sie. So wird Betulichkeit auf die Spitze getrieben, wofür das luxemburgische Flair auf Dauer wohl nur noch das heimische Publikum entschädigt.




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