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Patti Cake$ - Queen of Rap
Patti Cake$ - Queen of Rap
© 20th Century Fox

Kritik: Patti Cake$ - Queen of Rap (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Patti Cake$ – Queen of Rap" feierte seine Premiere auf dem Sundance Film Festival – und ist in vieler Hinsicht eine typische Coming-of-Age-Story. Drehbuchautor und Regisseur Geremy Jasper mixt die Tristesse und die Skurrilität von Indie-Werken wie Todd Solondz' "Willkommen im Tollhaus" (1995), in welchem Heather Matarazzo einen Alltag aus Mobbing und familiärer Enttäuschung durchleiden muss, mit der Geschichte eines musikalischen Aufstiegsversuchs, wie man ihn etwa aus Curtis Hansons "8 Mile" (2002) mit Eminem kennt. Dass die korpulente Hauptfigur nicht gerade als die naheliegendste, konventionellste Wahl bezeichnet werden kann, um im Mittelpunkt einer Geschichte über Rap zu stehen, hebt das Werk bereits über den Durchschnitt hinaus. Zu einer kleinen Sensation wird der Film jedoch durch die hingebungsvolle Inszenierung – und vor allem durch seine großartige Hauptdarstellerin.

Geremy Jasper hat schon Musikvideos für Florence + the Machine und Selena Gomez gedreht – und demonstriert hier sein Können, Musik und bewegte Bilder stimmig zusammenzubringen. Als Einstieg erleben wir einen giftgrün-grell gestalteten Traum der Protagonistin Patricia, in dem deren Rap-Held O-Z (Sahr Ngaujah) auftritt; später beginnt die 23-Jährige zu schweben, als sie auf der Straße über Kopfhörer dessen Beats sehnsüchtig aufnimmt. Zu einem abrupten Ende finden solche Momente durch die raue Realität: Ein unangenehmer Anruf reißt Patricia aus dem Schlaf, ein hupendes Auto sowie abfällige Worte des Fahrers werfen die junge Frau zurück auf den Boden. Jasper stammt selbst aus dem Bundesstaat New Jersey und fängt das Dasein dort glaubwürdig ein. Dramaturgisch ist "Patti Cake$" zwar wenig originell – auf Fortschritte folgen Rückschläge, auf Auseinandersetzungen folgen Versöhnungen und als Höhepunkt dient eine Talentshow –; dennoch nimmt der Film für sich ein, wenn er beispielsweise zeigt, wie Patricia und ihr Kumpel Jheri auf einem Parkplatz improvisieren oder wie sich Patricia in einem Rap-Battle behauptet oder wie sie mit Jheri sowie dem enigmatischen Basterd und ihrer Großmutter (!) einen ganz eigenen Sound kreiert. Auch die finale Bühnen-Darbietung ist sehr sehens- und hörenswert.

Kraftzentrum des Werks ist natürlich die 1992 geborene Australierin Danielle Macdonald, die nach kleinen Filmparts (etwa in "The East") sowie diversen Gastauftritten in Serien (zum Beispiel in "2 Broke Girls") hier nun als Titelfigur ohne Zweifel ihre breakthrough performance liefert: Patricia ist ein willensstarker Underdog, der fest an das eigene Talent glaubt. "My life's fuckin' awesome!", sagt sie sich am Morgen – und kämpft dafür, dass dieser Satz irgendwann den Tatsachen entsprechen wird. Mit Siddharth Dhananjay als Jheri stimmt die Chemie; ganz wunderbar sind zudem die zärtlichen Szenen zwischen Patricia und dem von Mamoudou Athie ("The Get Down") verkörperten Basterd, der in Patricia eine Poetin sieht. Cathy Moriarty (bekannt als Leinwandpartnerin von Robert de Niro in "Wie ein wilder Stier") ist als mürrische Nana ebenso eine Bereicherung wie Bridget Everett als Patricias Mutter, die ihren Traum von einer Gesangskarriere einst begraben musste, als sie schwanger wurde.

Fazit: Eine mit Herzblut umgesetzte Geschichte über das Erwachsenwerden mit herrlichen Rap-Einlagen und einer begnadeten Danielle Macdonald in der Titelrolle.





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